Samstag, 25. Mai 2019

Ruth Ware - Woman in Cabin 10

Meine Wertung: ★★☆☆☆ 2/5

Autor: Ruth Ware

Titel: Woman in Cabin 10

OT: Woman in Cabin 10

Verlag: dtv

ISBN: 9783423217774

Deutsche Erstausgabe 2017

Seiten: 382

Einband: Taschenbuch

Genre: Thriller

Dazu passt: Deine letzte Spur,   Tu es, tu es nicht,   Deadline



Die Langeweile in Cabin 10...

Nennt mich glücklos, was meine Buchauswahl in diesem Monat angeht.
Eine meiner Deutschschülerinnen hatte mir dieses Buch 2017 empfohlen. Sie schwärmte geradezu davon. Wenn ich Thriller möge, müsse ich dieses Buch unbedingt lesen! Sie habe es nicht mehr aus der Hand legen können! Sie habe noch nie ein Buch gelesen, das so spannend war, wie Woman in Cabin 10.
Da es diesen Titel erstmal nur als Klappenbroschur gab, setzte ich ihn auf meine Wunschliste bei Exlibris und wartete ab. Dann endlich sollte er im Taschenbuch erscheinen und ich konnte ihn endlich bestellen und lesen...


"Ein packender Thriller,
der die Leser völlig in seinen Bann
schlagen wird. 
Vorsicht, die letzten Kapitel könnten Herzrasen verursachen."
– Library Journal


In einem Satz

Eine nicht allzu kluge Journalist wird zuhause überfallen, geht kurz darauf auf eine Kreuzfahrt für die Oberen Zehntausend, auf der sie glaubt, Hörzeugin eines Mordes zu sein und befindet sich aufgrund ihrer Naivität kurzerhand selbst in Lebensgefahr.


Empfehle ich dieses Buch? Wieso?

Nein.
Der Journalist des Library Journal hat wohl noch nie einen wirklich mitreissenden Thriller gelesen, wieso sonst würde man schreiben, es handle sich bei Woman in Cabin 10 um einen packenden Thriller, der den Leser völlig in seinen Bann zieht und dass die letzten Kapitel Herzrasen verursachen könnten?
Die Autorin hatte merklich Mühe, das Buch zu füllen, denn sie verschleuderte ihre Metaphern, wie Kinder Konfetti an der Fasnacht, die teilweise recht fragwürdig sind, en masse auf jeder Seite. Was sonst eigentlich eher witzig ist, nervt hier nur noch. Im dritten Teil lesen wir beispielsweise vom "protestierenden oder erleichterten Quietschen einer Sofafederung", sowie einem "Mascara, der neben dem Waschbecken Wache hält". Wie kommt man nur auf so einen Blech?
Die Spannung kommt nicht auf. Die letzten Kapitel verursachen kein Herzrasen, werfen aber die berechtigte Frage auf, wann denn nun endlich die Spannung einsetzt.
Die Hauptfigur nervt durch ihr naives und unvernünftiges Wesen extrem. Von Sympathie ist hier keine Spur. Der Plot ist sowas von schlecht durchdacht und dilettantisch zusammengeschustert, dass man ziemlich bald ahnt, wer wen wieso umgebracht hat. Der Versuch der Autorin, falsche Fährten zu legen, war ein Rohrkrepierer schlechthin. Anstelle von Brotkrumen, denen man gerne gefolgt wäre, hat sie die Wege mit Neonreklamen versehen, die geradezu schreien "Das ist der falsche Weg!".
Das Geschichte wird im Präteritum aus der Sicht von Lo erzählt. Die Autorin versucht allerdings den Leser dazu zu bringen, zu glauben, Lo sei tot. Wie hätte sie dann darüber berichten können? Hm?
Die einzige Freude, die der Leser hat, sind die Chat- und Forumsnachrichten, sowie E-Mails, die jeweils am Ende eines jeden Teils zu lesen stehen.
Plump, schlecht durchdacht und einfach nur langweilig.


Spoiler - Gedankenstütze für mich

Das Buch ist in 8 Teile unterteilt. Teil 1, die ersten 55 Seiten, hätte man auch in einem Kapitel, bzw. in einem Prolog zusammenfassen können. Liest man die nicht, entgeht einem nichts, was irgendwie relevant wäre. Teil 2 erstreckt sich dann bis Seite 101 und ist auch nicht wirklich von Belang. Lo kommt auf dem Schiff an, wo sie am Empfang teilnimmt und auf einige Menschen, inkl. ihren Exfreund trifft. Es folgt viel Blabla.
In Teil 3 trifft Lo auf die Frau in Kabine 10, die Lo ihren Masacara leiht. In der gleichen Nacht verschwindet sie spurlos und Lo hört, wie etwas/jemand über Bord geworfen wird und glaubt gesehen zu haben, wie das Gesicht einer Frau im Meer unterging. Zudem glaubt sie Blut gesehen zu haben und alarmiert den Sicherheitsdienst, von dem sie erfährt, dass Kabine 10 leer steht. Da Lo offenbar ein Alkoholproblem hat und dazu noch auf Antidepressiva ist, wird ihr kein Glauben geschenkt. Als sie dann später die Kabine verlässt, um die Frau aus Kabine 10 unter den Mitarbeiterin zu suchen, und zurück in die Kabine kommt, ist der Mascara, der einzige Beweis, dass die Frau in Kabine 10 wirklich existiert hat, verschwunden. Auf die Spannung wartet man jedoch noch immer vergeblich.
In Teil 4 werden wir an I know what you did last summer erinnert, als Lo im Spa des Schiffes ist und auf dem angelaufenen Spiegel eine Nachricht für sich entdeckt, die ihr befiehlt, sie solle sich raushalten.
Nach 249 haben wir Teil 5 hinter uns gelassen und warten noch immer auf die versprochenen packenden Inhalt. Vergebens.
Lo erblickt die Frau aus Kabine 10 auf einem Foto. Irgendwann beginnt sie, ihren Exfreund, Ben, zu verdächtigen, da sie herausfindet, dass er sie über seinen Aufenthaltsort in der Tatnacht belogen hat. Schliesslich erzählt sie Bullmer, dem Besitzer des Schiffs, alles. Dass sämtliche anwesenden Gäste zuhören ist ihr egal.
Lo kommt auf die Idee, mal zu schauen, ob sich die Tür ihrer Veranda von aussen öffnen lässt. Ja. Natürlich lässt sie sich von aussen öffnen. Denn Lo erblickt einen nassen Fussabdruck auf dem Teppich ihrer Kabine und bemerkt, dass ihr Handy weg ist. Nur einen Fussabdruck? Oke.
In Teil 6 wird es kontrovers. Auf Seite 272 steht zu lesen, dass Kabine 10 die letzte sei und dass dahinter keine andere mehr wäre. Auf den Seiten 157 und 279 lesen wir aber, dass Ben in der Kabine neben Kabine 10 haust. Hat sich die TWILIGHT ZONE hier einen Scherz erlaubt? Handelt es sich bei Ben's Kabine um eine Kabine, die sich in einer anderen Dimension befindet? Oder wie erklären wir, dass die Kabine mal da ist und mal nicht?
Die Frau aus Kabine 10 steht plötzlich vor Lo's Tür und die ist dumm genug, der davonrennenden Frau zu folgen, wird niedergeschlagen und findet sich eingesperrt in einer Kabine unter Deck wieder. Dann folgt eine Abhandlung über Lo's Panikattacken.
Die Frau aus Kabine 10 entpuppt sich als Anne Bullmer. Richard Bullmer's krebskranke Frau. Doch sie ist gar nicht Anne Bullmer, sondern Carrie, die Anne Bullmer spielt. Anne Bullmer ist tot. Sie war die Frau, die über Bord geworfen wurde. Richard war nur hinter Anne's Erbe her und hatte Carrie das Blaue vom Himmel versprochen.
Teil 7: Lo und Carrie unterhalten sich schliesslich und Carrie erzählt Lo, was passiert war und wie Richard's Plan ausgesehen hat. Richard habe ihr dann erzählt, er und Anne hätten sich gestritten, da sie von seiner Affäre mit Carrie erfahren habe. Als er sie von sich gestossen habe, sei sie mit dem Kopf gegen den Couchtisch gestossen und tot gewesen. Er habe sie in einen Koffer gestopft, den Carrie über Bord werfen sollte. Da der Koffer aufgeplatzt war, konnte Carrie Anne blinzeln sehen und war sich nicht sicher, ob sie tot war oder nicht. Über Bord geworfen hat sie sie aber dennoch.
In Teil 8 hilft Carrie Lo zu fliehen. Lo entkommt, obschon ihr ein Malheur am anderen passiert. Eine Polizeimeldung verkündet, dass man die Leiche von Richard Bullmer aus dem Meer gefischt habe. Es habe sich um Suizid gehandelt. Anne und Richard sind tot. Bei Richard heisst es später, sei es kein Selbstmord gewesen. Lo denkt an Carrie und weiss, dass diese entkommen konnte. Schliesslich findet Lo auf ihrem Konto eine Überweisung von 40'000,- vor und hat somit Gewissheit, dass Carrie überlebt hat und entkommen konnte.


🎵 Larry Juris - Bedtime Tales 🎵




Nick Cutter - Das Camp

Meine Wertung: ★★☆☆☆ 2/5

Autor: Nick Cutter

Titel: Das Camp

OT: The Troop

Verlag: Heyne

ISBN: 9783453437791

Deutsche Erstausgabe 2014

Seiten: 464

Einband: Taschenbuch

Genre: Horror / Thriller

Dazu passt:




Damals in einer Buchhandlung in Zürich...

Wir schreiben das Jahr 2014.
Ich stehe in der Buchhandlung, in der ich nicht mehr lange arbeiten werde, und packe die Novitäten aus. Darunter befinden sich 5 Stück von Nick Cutter's Das Camp. Da ich die Krimi/Thriller/Horror-Titel betreue, platziere ich meine Ware auf meiner Taschenbuchpyramide. Ich bin unschlüssig, ob ich mir ein Leseexemplar von diesem Titel bestellen soll und lasse es dann bleiben. Nie war ein Buch, das von Stephen King gelobt wurde, wirklich lesenswert.
Eine Woche später betritt eine meiner Stammkundinnen den Laden. Wir unterhalten uns über jüngst gelesene Titel. Sie kommt auf Das Camp zu sprechen und redet sich echauffierend beinahe in Rage. Sichtlich angewidert vom Inhalt des Buches schildert sie, welch Widerwärtigkeiten sie gelesen habe. Scheusslich! Ekelhaft! Richtig ekelhaft! So etwas sollte gar nicht verlegt werden! Das ist nur noch ekelhaft.
Ihre Ausführungen veranlassen mich dazu, mir ein Leseexemplar zu bestellen, das ich kurz darauf vom Vertreter zugeschickt bekomme.
Das Buch hat 3 Umzüge überdauert, jedoch ungelesen. Bei meiner grossen Bücherausmistung 2015 hat es überlebt. Es lag auf dem eventuell-behalten-Stapel. Nur knapp 5 Jahre nach Erhalt habe ich es nun endlich gelesen und ich muss meiner damaligen Stammkundin zustimmen. Es ist wirklich widerlich!

Ein paar Stellen des Buches habe Bilder aus dem Parasitenmuseum in Meguro, Tokyo ins Gedächtnis gerufen. Unhübsche Bilder. Richtiggehend ekelhafte Bilder...


"Das Camp ist so nervenzerfetzend, 
dass ich es kaum aushalten konnte
- faszinierender Horror der Extraklasse!"
– Stephen King

"Stellen Sie sich eine Mischung aus
Crichton und King vor
– absolut atemberaubend!"
– Scott Smith


In einem Satz

Klischee: Patient X kontaminiert den hiesigen Arzt und dessen Pfadfinderkids mit einem scheusslichen Virus, von welchem die Wirte innerlich von Würmern zerfressen werden.


Empfehle ich dieses Buch? Wieso?

Ich glaube nicht.
Ich schwanke zwischen 2 und 3 Sternen und hätte am liebsten 2,5 gegeben. Mit Crichton hat dieses Buch etwa so viel gemein, wie eine Boeing 747 mit einem Fahrrad.
Sprachlich ist es seichtes Mittelmass. Der Autor ist sichtlich bemüht, so viele Metaphern wie möglich zu verwenden, was teils fraglich ist.
Die Zeichnung der Charaktere, sei es nun Patient X, der Arzt, oder die Jungs, gelingt nicht wirklich. Wenn der Autor auch versucht, einen Soziopathen zu kreieren, wirkt das platt und unglaubwürdig. Überhaupt sind die Charaktere nicht überzeugend und man identifiziert sich als Leser nicht mit ihnen. Sie wirken stumpf und zu gewollt. Ein bisschen Mitgefühl x Verzweiflung macht eben noch keine gelungene Geschichte aus.
Der Autor bedient sich wahrlich jedem Klischee, das ihm zur Verfügung steht: Patient X kommt per Boot auf die Insel, auf der die Jungs mit dem Arzt ihren Pfadfinderfreuden nachgehen. Der Arzt kommt mit Patient X in Berührung und wird natürlich kontaminiert, dann noch einer der Jungs, dann ein zweiter, etc. Wie das bei Seuchen-Filmen immer so ist.
Natürlich handelt es sich bei dem Virus um ein Experiment der Regierung, was schief gelaufen ist - was auch sonst? Und natürlich will die Regierung das ganze Gebiet abriegeln und keinen, kontaminiert oder nicht, von der Insel entkommen lassen. Das ganze Gebiet steht unter Quarantäne, was die Jungs auf der Insel jedoch nicht wissen. Sie überlegen, wie sie am schnellsten von der Insel fliehen und Hilfe herbeiholen können.

Teil 1
Anfangs noch spannend, wenn auch klischeetriefend. Ab Kapitel 8 wird es nur noch langweilig und schleppend. Ab Kapitel 13 kommt dann ein dezenter Hauch von Spannung auf, der sich dann aber gleich wieder verliert. Ab Kapitel 15 lohnt sich das Querlesen, ansonsten hält man dieses zähe Blabla nicht aus.

Teil 2
Irgendwie grotesk: sadistischer Junge, Shelley, treibt ein Psychospiel mit einem der anderen und veranlasst diesen dazu, sich selbst zu verletzen, um die vermeintlichen Würmer aus seinen Innereien zu entfernen. WTF...
Zu Shelleys Gedanken: Menschen waren dazu da, benutzt, gehäutet, geöffnet, flüchtig seziert und dann abgelegt zu werden. Alle Lebewesen auf der Erde wurden dieser kalten Untersuchung unterzogen.
Der Autor schien sich zu denken, je sadistischer ich schreibe, desto geschockter sind meine Leser. In meinem Fall, desto gelangweilter.

Teil 3
ist am spannendsten. Dennoch unnötig mit zu vielen Traumsequenzen gefüllt, die ermüdend wirken. Wir erfahren, was genau beim Experiment schief gelaufen ist und dann kommt noch ein verpackter Schluss. 


Spoiler - Gedankenstütze für mich

160 Seiten Blabla. Tim wurde kontaminiert und von den Jungs in einen Schrank gesperrt.
Der hungrige Siech aka Patient X krepierte auf der Couch, als Tim und einer der Jungs ihn aufgeschlitzt hatten. Zahlreiche Würmer ergossen sich aus Patient X Bauch.
Shelley killt Kent und infiziert sich selbst aufgrund seines Sadismus und der Faszination für diese Würmer.


🎵 Airbourne - Born to kill (No Guts. No Gory) 🎵