Mittwoch, 26. September 2018

Stephen King - Der Outsider

Meine Wertung: ★☆☆☆☆ 1/5

Autor: Stephen King

Titel: Der Outsider

OT: The Outsider

Verlag: Heyne

ISBN: 9783453271845

Deutsche Erstausgabe 2018

Seiten: 747

Einband: Gebunden

Genre: Krimi, Fantasy

Dazu passt: ein 24er Pack RedBull
oder literweise Kaffee... irgendwas, das wach hält

Zur Korrektheit

Anders als bei Sleeping Beauties wurde der Korrektheit hier mehr Beachtung geschenkt. Die sture Missachtung von Dativ und Akkusativ bei "jemand/em/en" stört mich zwar noch immer, aber damit lässt sich irgendwie leben. Auch wurde hier auf Dialektausdrücke verzichtet.
Nun kann man sich fragen, ob das Zufall ist, oder ob die Beschwerden der Kingleser via Social Media doch etwas gebracht haben.


"Ein schlechtes Produkt, dass sich hinter einem guten Namen versteckt."
– Navi M. Gray

In einem Satz

Kinderleiche wird gefunden, Täter steht fest, Polizei ermittelt, doch nicht jener Täter, die Suche geht weiter und endet beim "Outsider".


Empfehle ich dieses Buch? 

NEIN!
So langsam aber sicher werde ich richtig sauer auf den "Meister des Horror" der 90er. Wann hat er zuletzt ein wirklich packendes Buch geschrieben? Basar der bösen Träume ausgenommen, da es sich bei diesem Buch um eine Anthologiensammlung handelt. Dazu weiter unten mehr. Kommen wir erst zum Inhalt dieses Krimis mit Fantasyzügen. 

Wie bei King so üblich, ist der Anfang des Buches so mitreissend geschrieben, dass man denkt, man legt eine schlaflose Nacht ein und liest das Buch in einem Zug durch. Doch nach den ersten 100 Seiten (wenn nicht schon früher) merkt man, dass es abwärts geht. Abwärts mit der Handlung, mit der Spannung und mit dem Lesefluss. Eine Steigung ist dann lange nicht mehr in Sicht - wenn dann überhaupt je wieder eine kommt. So auch hier. Das Buch beginnt mit einem wasserdichten Fall. Der Sportlehrer hat einen Jungen missbraucht und getötet. Er wurde von etlichen Zeugen gesehen, wie er den Jungen in einem Lieferwagen mitgenommen hatte und in jenem Lieferwagen werden dann auch die Fingerabdrücke des Sportlehrers Terry Maitland gefunden. Der Fall ist klar. Er wars. 
Dann taucht jedoch ein Video auf, welches beweist, dass Terry zum Tatzeitpunkt gar nicht im Ort war... 
Detective Ralph Anderson beginnt sich zu hinterfragen, ob er nicht voreilig gehandelt hat. Dessen Frau Jeannie bringt dann Übernatürliches ins Spiel. Spätestens da ahnt man, dass in diesem Buch keine Steigung mehr kommen wird. 
Als dann auch noch ein Abstecher zu Holly Gibbney aus Mr. Mercedes gemacht wird, die Ralph dann mitteilen muss, dass Bill Hodges das Zeitliche gesegnet hat, überlegt man sich, ob man nun ein paar Seiten überspringen soll. Man sollte es tun, denn es folgt in nicht endenwollendes Blabla an Ermittlungen, an früheren ähnlichen Ereignissen und weiteres Blabla. 
So viel sei zum Schluss verraten: Wer sich auf ein gigantisches Finale freut, wird enttäuscht. Denn in Der Outsider gibt es keine Steigung mehr. King schafft es nicht, die anfängliche Spannung wieder aufzubauen und so quält man sich (einmal mehr) durch ein Buch und erwischt sich beim Querlesen. Denn man hat noch ein Leben. (Was mich auf die Frage bringt, ob diesem Mann bewusst ist, dass unsere Zeit auf Erden begrenzt ist?)
Was mich auch immer mehr nervt, ist diese Detailverliebtheit. 
(Er trug eine cremefarbene Unterhose, die damals in den 90er, als er sie bei Masons gekauft hatte, noch weiss war. Es war jene mit dem alten und im Bund eingestickten grauen Logo von Calvin Klein. Die hatte ihn damals 59.- gekostet, was da noch viel Geld für ihn war. Heute kann er sich das leisten. Wieso er diese alte Unterhose noch immer besitzt, hat einen nostalgischen Wert für ihn. - geschrieben von Eurer guten Navi M. Gray, die auch detailverliebte Sätze hinschmieren kann.)
King soll in einem Interview gesagt haben, dass dieses Buch sogar ihm Angst einjage. Ähm? Wieso? Weil er gemerkt hat, dass er nicht mehr schreiben kann wie früher? Dass er den Leser nicht mehr in Angst und Schrecken versetzen kann? Hat er gemerkt, dass er einmal mehr ein Schlafmittel mit 747 Seiten abgeliefert hat? Dann versteh ich seine Angst. Ansonsten, nein. Dieses Buch hat nicht das Geringste an sich, was auch nur entfernt furchteinflössend wäre. Abgesehen von den 747 Seiten voller Blabla. Ich behaupte, hätte King damals nicht internationale Berühmtheit erlangt, und würde er heute dieses Buch auf den Markt schmeissen, als Noname wohlgemerkt, die Verkaufszahlen wären sehr gering. 
Als King's Bücher noch nicht 700 Seiten hatten, waren sie besser. Seine Kurzgeschichten sind meist brilliant!
Jemand hat mal über Jack Ketchum's Lebendig gesagt, Ketchum wäre es wohl an einem Sonntagnachmittag langweilig gewesen und da habe er diesen Mist hingeschmiert. Dieses Zitat fällt mir immer wieder ein, wenn ich ein lieblos hingeschmiertes Buch lese. King war mal mein Lieblingsautor. Ich reihte King wahrlich neben Oscar Wilde in meiner Favoritenliste ein. Das war mal. Zu oft hat er mich enttäuscht. Ich bin sauer. Sauer, weil ich nicht mehr im Buchhandel arbeite und das Buch nicht kostenlos bekommen habe, sondern auch noch Geld dafür bezahlen musste. Na ja, mein künftiges Zuhause hat einen Kamin. Eventuell kann ich es ja zum Anfeuern verwenden?


Wann hat King zuletzt ein wirklich spannendes Buch geschrieben?

Chronologie eines Abstiegs:
Dass Sleeping Beauties ätzend war, habe ich in meiner Rezi schon erwähnt. Davor kamen dann die Mercedes-Bücher, von denen ich Mr. Mercedes, also den ersten Band, wirklich grossartig fand! Bei REVIVAL hat er den Schluss verkackt. Doctor Sleep war auch ein Schlafmittel in Buchform. Davor kam Joyland, was mir wieder gefallen hat und davor Der Anschlag, was grossartig war! Der Anschlag ist 2011 erschienen. Davor wieder Schlaffmittel, wie Die Arena oder Wahn. Anthologiensammlungen zählen wir hier nicht, also lassen wir Sunset aus. PULS hatte mir wieder gefallen. LOVE ist das schlechteste Buch, was King je geschrieben hat. QUAL war wieder super, das hatte er ja auch schon vor Urzeiten geschrieben gehabt... 

▶︎ Mir ist aufgefallen, dass ich PULS und QUAL noch rezensieren muss... Kommt noch.


SPOILER - Gedankenstütze für mich 

Was für ein Schrott echt! Ein Typ mit "verbranntem" Gesicht, der auf dem Video nicht zu sehen ist. Dann hat er Strohhalme anstelle von Augen, als er bei dem Gof im Zimmer sitzt. Der Mann mit dem Sack wird lebendig... Was für ein Schrott! 
Dann dieses unnötige Blabla um diese Holly. Das waren wieder locker 400 Seiten (wenn nicht mehr), die er sich und mir hätte ersparen können. 

Ich beim Rezischreiben auf dem Balkon, einen wunderbaren Herbsttag geniessend ^_^


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