Sonntag, 24. Juni 2018

Joe R. Lansdale - Drive-in Trilogie

Meine Wertung: ★★☆☆☆ 2/5

Autor: Joe R. Lansdale

Titel: Drive-In

OT: The complete Drive-In

Verlag: Heyne Hardcore

ISBN: 978-3-453-67672-5

Deutsche Erstausgabe 1997

Seiten: 736

Einband: Klappenbroschur

Genre: Horrorkomödie

Dazu passt:




"Ulkig, stupide und ganz unterhaltsam."
– Navi M. Gray

Seit 2015 befand es sich ungelesen in meiner Sammlung. Es durfte 3 Umzüge miterleben und wechselte so den Platz im Regal hin und wieder - stand aber immer bei seinen Kollegen (Jack Ketchum, Jacck Kilborn und Laymon).
Bei der grossen Bücherausmistung 2016 hatte ich mir überlegt, ob ich es wegschmeissen soll. Behielt es dann doch und vor einer Woche nahm ich mich ihm an. Soviel zur Beziehung zwischen diesem Buch und mir.


"Er hatte sich verflüchtigt
wie die leeren Versprechen
eines Politikers."
– Joe R. Lansdale

In einem Satz

Teens sitzen im Autokino, Asteroid erscheint und verwandelt die reale Welt in eine Filmkulisse, aus der es kein Entkommen gibt und es treten allerhand merkwürdige Gestalten auf.

Empfehle ich dieses Buch? Wieso?

Hmmm... einerseits ja und andererseits nein.
Ursprünglich ist DRIVE-IN ja in drei Bänden erschienen. Hätte ich jeden einzeln bewertet, dann hätte ich den ersten Band mit einem klaren JA empfohlen. Denn Band 1 ist wunderbar. Wir haben die Idylle einer Kleinstadt. 4 Freunde, die sich, wie jede Woche, ins DRIVE-IN begeben, um die Nacht mit Horrorklassikern auf gigantischen Leinwänden zu verbringen, Popcorn zu futtern und zu trinken. Als Leser möchte man sich sein Auto schnappen und auch dahin düsen. (hab ich wirklich grad, "düsen" gesagt? Himmelherrgottarschundzwirn ich werde alt - bald sieht man mich in einem geblühmten Kleid in einem Schaukelstuhl sitzend stricken. Sollte ich mir je eine Katze anschaffen, dann bitte erledigt mich. Macht mir den Garaus oh meine Leser)
Die Atmosphäre im DRIVE-IN ist zum Greifen nahe, man riecht förmlich das Popcorn und hört das Kreischen der Kettensäge. Dann kommt ein Komet (Hoi Reha M.) und die Welt steht Kopf. ALIENS. Es wird wahrhaftig von ALIENS gesprochen. Die Filmfreaks sind gefangen im DRIVE-IN. Ein Endzeitszenario sondergleichen wird geschildert. Irgendwann drehen die Menschen durch. Der Kampf gegen Hunger und Durst und ums Überleben beginnt. Das Popcorn ist irgendwann alle und so werden gar Säuglinge verspeist (Lansdale, ich schüttle Dir symbolisch die Hand für diesen Schritt! Babys werden ja sonst meist verschont...) Das pure Chaos bricht aus. Caligula wäre Stolz gewesen. Es bilden sich fanatische Gruppen und jeder könnte der Nächste sein, der gefressen wird. Durch einen Zufall entsteht der grosse Popcornking und ab da wirds irgendwie ätzend... FADE OUT.
Teil 2 beschreibt dann die Flucht aus dem DRIVE-IN auf einer Strasse, die allerdings nicht in die reale Welt führt. Die drei Protagonisten aus dem ersten Teil treffen auf weitere Menschen, mal gute mal schlechte. Sie kämpfen sich durch eine sureale Filmwelt als schlechte Statisten.
Das ganze Blabla geht dann in Teil 3 weiter und plötzlich wird der gute Bob nicht mehr erwähnt - oder ich hätte das irgendwie überlesen. Dafür haben wir dann die barbusige Grace, die so geschildert wird, als wäre sie aus einem der Bücher Laymons entsprungen. Dann bedient sich Lansdale noch einem Abklatsch der Bibel, nur dass es sich nicht um einen Wal sondern einen gigantischen Katzenfisch handelt, in dessen Bauch sie gespült werden...

Wer auf surealen Horror, nackte Haut und Leichenberge steht, das ganze durchsetzt von guten Sprüchen und dem nötigen Humor, der wird hier voll auf seine Kosten kommen.

Für meinen Geschmack hätte man es bei Band 1 belassen können.


Spoiler - Gedankenstütze für mich

Trilogien: 
Teil 1 ist immer überzeugend! 
Teil 2 ist meist der schwächste und unnötig. 
Teil 3 ist meist wieder gelungen und überrascht mit einer Vorgeschichte. 
Nicht so bei DRIVE-IN. Hier überzeugt nur der erste Teil - und das auch nur solange bis der Popcornking auftaucht. Allein schon der Name...