Samstag, 23. Februar 2019

Stephen King - Erhebung

Meine Wertung: ★☆☆☆☆ 1/5

Autor: Stephen King

Titel: Erhebung

OT: Elevation

Verlag: Heyne

ISBN: 9783453272026

Deutsche Erstausgabe 2018

Seiten: 143

Einband: Gebunden

Genre: Übernatürliches

Dazu passt: Wahn



Wieso "Erhebung" keine Novelle ist

Diverse Leser schrieben in ihren Rezis das Wort "Novelle". Wer sich nie mit Textgattungen auseinandergesetzt hat, kann ja nicht um die Merkmale einer Novelle wissen. Eine Novelle spielt in der Realität und ist stets nachvollziehbar. Das kann man von "Erhebung" nun wirklich nicht behaupten. Ansonsten erfüllt das kleine Buch die meisten Merkmale einer Novelle. Eine Handvoll Charaktere, ohne grosses Hintergrundwissen. Wir haben einen Wendepunkt, der alles ändert. Gefehlt hat mir das für Novellen typische Ding-Symbol. Es sei denn Scott stünde stellvertretend dafür.
Haben wir dramatische Elemente? Na ja... darüber lässt sich streiten...
Meist enden Novellen mit einem Ergebnis und einer Moral. Meist...


"Autor, der früher mal top war, 
mittlerweile aber eher unerträglich..."
– Navi M. Gray


In einem Satz

Scott verliert stetig an Gewicht und will den verhassten lesbischen Restaurantbesitzerinnen helfen, gemocht zu werden und somit ihr Restaurant behalten zu können.


Empfehle ich dieses Buch? Wieso?

Nein. (Wann werde ich bei einem neuen Kingbuch mal wieder mit "ja" antworten können?)
Wie üblich bei King, wurde auch dieses Buch angepriesen, als sei es DASJENIGEWELCHE! Dann noch das Zitat von USA Today auf der Rückseite, von wegen wie King es schaffe, Verstand, Gefühl und Seele der Leser zu packen. Da könnte man meinen, man sei abgestumpft... Aber keineswegs.
King hat beispielsweise mit Joyland oder der Novelle 1922 bewiesen, dass er fernab jeglichen Horrors ein wunderbares Drama schreiben kann.
Erhebung ist weder wunderbar noch Horror, noch Drama... Es ist einfach.
Eine oberflächliche Kritik an Homogegnern. Hätte er sich nicht auf diesen lächerlichen Gewichtsverlust von Scott fixiert, wäre eventuell mehr aus diesem Buch entstanden. Die für King typische Gesellschaftskritik steht in diesem Buch hinten an. Ist eine Nebenhandlung und somit kaum von Bedeutung, obschon es gegenwärtig eine zentrale Thematik ist, welche die notwendige Aufmerksamkeit verdient hätte. Hier scheint es jedoch so, als habe er das einfach deswegen erwähnt, weil das Thema in aller Munde ist, und man so ev das eine oder andere Buch mehr verkaufen könnte. In der Mitte des Geschehens steht Scott, der täglich leichter wird. Man sieht ihm das aber nicht an. Sein Aussehen bleibt unverändert. Auch wenn er sich die Taschen mit Steinen füllt und so auf die Waage steigt, zeigt diese nur Scotts Gewicht an. Selbst Scott's Katze wird quasi schwerelos, als er sie auf dem Arm hat. Scott weiss, dass es irgendwann enden wird.
Nachdem er den verhassten lesbischen Restaurantbesitzerinnen zu neuen  Gästen verholfen hat, in dem er Dee-Dee bei einem Marathon nach ihrem Sturz auf die Beine geholfen hat, weiss er, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleibt, ehe die Waage 0 anzeigen wird... Er bereitet sich auf sein Verschwinden vor...

Jemand hat mal über "Lebendig" von Ketchum gesagt, dieser habe an einem Sonntagnachmittag Langeweile gehabt und dieses Buch lieblos hingeschmiert. Dieses Zitat fällt mir bei den neuen Werken von King immer mal wieder ein... Vielleicht sollte der gute Mann, den Ruhestand antreten. Ich habe selten solchen Mist gelesen.

Abgesehen von der Geschichte, nervt mich der Übersetzer mit seiner verstaubten Sprache, an der 50jährige Spinnennetze hängen. Ich habe mich bei meiner Rezi über Sleeping Beauties schon genug über die Arbeit Bernhard Kleinschmidts ausgelassen, dass ich dies hier nicht noch einmal machen werde. Er ist jedenfalls ein Grund, weshalb ich King's "Flight or Fright" zu Deutsch "Flug und Angst" in Englisch bestellt habe. Ja ich werde endlich damit anfangen, King im Original zu lesen. Einerseits, weil ich mein Englisch aufpolieren muss und andererseits damit ich mich nicht über das willkürliche Geschmier dieses sogenannten Übersetzers aufregen muss.


Spoiler - Gedankenstütze für mich

Die Gravitation hat bei Scott keine Bedeutung mehr und er muss sich in einen Rollstuhl ketten, damit er nicht umher schwebt (King, ernsthaft?). Schliesslich bittet er Dee-Dee um Hilfe. Er hält sich an einer Feuerwerksrakete fest und schwebt mit dieser gen Himmel, wo er sie schliesslich anzündet. Die Rakete explodiert. Scott's Freunde, die draussen stehen und gen Himmel schauen, werden Zeugen eines Feuerwerks.
Ohni Scheiss jetz, was förne Idiotie!


Stephen King - Das Monstrum »Tommyknockers«

Meine Wertung: ★★☆☆☆ 2/5

Autor: Stephen King

Titel: Das Monstrum

OT: The Tommyknockers

Verlag: Heyne

ISBN: 978345303670

Deutsche Erstausgabe 1988

Seiten: 877

Einband: Taschenbuch

Genre: Sci-Fi "Horror"

Dazu passt: literweise Espresso



"Letzte Nacht und die Nacht davor,
Tommyknockers, Tommyknockers
klopfen an mein Tor.
Ich möchte hinaus, weiss nicht, ob ich's kann,
ich hab' solche Angst
Vor dem Tommyknocker-Mann."
– Volksmund


Das Monstrum - The Tommyknockers

Was ist ein Tommyknocker?
Webster's Unabridged sagt:
a) tunnelbauende Trolle
b) Geister, die in verlassenen Bergwerken oder Höhlen spuken
»tommy« ist ein britischer Slangausdruck für Armeerationen. Dies führte dazu, dass man britische Rekruten als »tommies« bezeichnete.
Der Oxfrod Unbridged Dictionary identifiziert den Ausdruck "Tommyknocker" selbst zwar nicht, deutet aber an, dass Tommyknockers die Geister von Bergarbeitern sind, die an Hunger gestorben sind, aber noch immer wegen Essen anklopfen.

Für Jim Gardner sind es Strassenräuber, die im Schutz der Nacht stehlen, morden und ihre Opfer begraben. Er traut ihnen auch Kannibalismus zu.

In der Geschichte sind es Aliens, die vor x Jahren mit ihrem Raumschiff abgestürzt sind und sich den Menschen als Wirt nehmen, wie in "The Body Snatchers". Wer Lovecraft's "Die Farbe aus dem All" kennt, wird ebenfalls Parallelen finden.


"Das einzig Erschreckende an
Tommyknockers ist die Länge."
– Navi M. Gray


In einem Satz

Schriftstellerin findet ein Raumschiff im Wald, beginnt damit es freizulegen und gräbt somit etwas aus, was besser im Verborgenen geblieben wäre.


Empfehle ich dieses Buch? Wieso?

Nein. Tommyknockers ist ein seichtes Sci-Fi-Gewäsch, einfach damit man mal Aliens erwähnt hat... Hier ist es schwierig zu sagen, ob der dreistündige Film oder das Buch langweiliger ist...

Das Buch ist in drei Teile unterteilt. 
Buch 1 ist ok. Man lernt die Charaktere kennen und merkt schnell, was es mit der Graberei auf sich hat. Bereits nach kurzer Zeit werden Veränderungen deutlich. Jedoch verliert sich die Geschichte bereits im ersten Teil in King's Detailverliebtheit und wird anstrengend. 
Schön ist, dass das Hotel Alhambra Inn, welches wir aus Talisman kennen, kurz erwähnt wird. 

Buch 2 hat mir persönlich am besten gefallen. Man erfährt etwas über die Chronik der Stadt und wie Haven entstanden ist. In 10 Kapiteln wird über die Stadt, bzw. einige Bewohner erzählt. Es ist spannend und man hat Abwechslung. Darüber hinaus vergisst man die besessene Bobbie fast.

Buch 3 ist derart langweilig, dass es ein regelrechter Kampf bis zum Schluss war. Bobbie und Gart sind noch immer mit der Ausgrabung beschäftigt. Merkwürdige Dinge passieren. Menschen verändern sich. Die Tommyknockers nehmen Einzug in die Stadt...
Man hat das Gefühl, King sei es leid gewesen und wollte einfach noch irgendeinen Schluss schreiben. Und der hat es in sich. Als Leser bleibt man mit der Frage zurück "Genosse King, Dein Ernst?".
Empfehlen tue ich das zweite Buch und das Kapitel, in dem Anne, Bobbies Schwester vorkommt. Herrlich, wie er diese Frau beschreibt. Hin und wieder muss man lachen und denkt zurück an die Zeiten, in denen man im Dienstleistungssektor gearbeitet hat und auf solche Menschen gestossen ist. Nie wieder...


Spoiler - Gedankenstütze für mich

Die Mutantenbobbie erinnert an die Schnecke im Parasitenmuseum in Meguro, Tokyo. Durchsichtig und irgendwas (ein Parasit) pulsiert in ihr...