Freitag, 15. Juli 2016

Jack Ketchum - Jagdtrip

Meine Wertung: ★★☆☆☆ 2/5

Autor: Jack Ketchum

Titel: Jagdtrip

OT: Cover, 1987

Verlag: Heyne Harcore

ISBN: 9783453677067

Deutsche Erstausgabe 2016

Seiten: 349

Einband: Kartoniert

Genre: Thriller





Dann hat man alle Bücher von Jack Ketchum gelesen und freut sich riesig auf ein *neues* Werk von ihm und erhält dann das...
Jagdtrip ist eines von Ketchum's frühen Werken. Während dem Lesen wird einem klar, warum HEYNE erst alle anderen verlegt hat. Was für ein pseudotragisches, inhaltloses und so komplett nichtssagendes Buch, wir hier doch vor uns haben.
Im Vorwort erzählt uns der Autor, dass er selbst nicht in Vietnam war und dennoch wollte er darüber schreiben. Wäre er dort gewesen, hätte er möglicherweise eine bessere Story zuwege gebracht... Wir werden es nie erfahren.


Jagdtrip in a nutshell

Ein Vietnamveteran lebt, wie einige andere Vetetanen, nun in den Wäldern und pflanzt Marihuana an. Hätte Garland "The Beach" nicht erst 1996 geschrieben, hätte ich behauptet, Ketchum hat abgekupfert. Jedenfalls wird er von seiner Frau verlassen und bleibt allein mit dem Hund zurück. Er verliert sich mehr und mehr in Erinnerung und seinem eigenen Wahnsinn des Vietnamkrieges.
Als einige prominente Camper auftauchen, nimmt die Handlung laymon'sche Züge an, nur dass sie noch plumper ist, als jene Laymon's.
Wer Wer Thoreau's "WALDEN" gelesen hat, erkennt was Ketchum hier kläglich versucht hat und womit er gründlich gescheitert ist.


Zusammengefasst

Jagdtrip ist so gar nicht Ketchum. Mann mit Hund haben wir später in Blutrot wieder, welches ein wahrhaft geniales Buch von ihm ist. Hier jedoch gelingt ihm die Tiefe nicht. Die Beziehung zwischen Lee und dessen Hund Pawlow ist halb so gut beschrieben, wie vom Autor gewollt. Auch versucht er sich in einem Drama, als Lee von seiner schwangeren Frau verlassen wird und fortan der Einsamkeit frönt. Da Ketchum etwa so viel über die Geschehnisse in Vietnam weiss, wie ich, bleibt die Story oberflächlich. Die Erinnerungen des Soldaten erinnern an Oliver Stone's Platoon. der 1986 erschienen ist.
Plötzlich sind wir fernab der Wälder in der Stadt, wo wir das Model Michelle haben, die eine Affäre mit Kelsey hat, der mit Caroline verheiratet ist, die das alles duldet. Die drei machen mit weiteren drei Freunden, Alan, Ross und Graham, schliesslich, nach viel Blabla, einen Ausflug in die Wälder.
Michelle : Model
Caroline : steinharte, frigide Karrierefrau
Kelsey : Schriftsteller
Ross : Neidisch auf Kelsey's Erfolg
Graham : Fotograf
Alan : Agent/Manager
Die Personenbeschreibungen sind so gar nicht typisch für Ketchum. Es scheint hier, als hätte er zu viel Laymon gelesen, erwartet und bekommt man so etwas doch stets vom guten Richard Laymon zu lesen. Auch die Kulisse als Gejagte in den Wäldern erinnert stark an Laymon.
Unschuldige Menschen gehen in der Wildnis campen und werden von einem Irren gejagt und ermordet (grösstenteils).
Um den Anschein zu erwecken, er habe ein wenig Ahnung vom Vietnamkrieg, beschreibt Ketchum ein paar "vietcong-typische" Fallen. Einer dieser Fallen fällt sogar ein anderer Veteran zum Opfer.
Auf den ersten 200 Seiten passiert einfach nichts. Wir haben klischeebehaftete Vietnam-Backflashs, Personen- und Dramabeschreibungen. Punkt. Auf Seite 212 gibt es dann endlich das langersehnte erste Opfer. 10 Seiten weiter haben wir das zweite Opfer. Schliesslich haben wieder 40 Seiten, in denen er kläglich versucht Spannung aufzubauen und kläglich scheitert. Wieder haben wir ein Vietnam-Backflash. Das selbe, das wir vor wenigen Seiten schon einmal hatten - nur ein wenig anders erzählt.
Die Cervelat-Promi-Camper irren, teils verletzt, durch die Wälder auf der Suche nach der rettenden Strasse. Auf ihren Fersen ist Lee. Und noch immer kommt keine Spannung auf. Schliesslich kommt es zum Showdown, der etwa so glaubwürdig ist, wie jener in Dan Brown's Davinci-Code... *gääähn*.

Den Schluss hat Ketchum so richtig versaut. Andererseits, ist das ganze Buch nicht gerade grossartig, da war mit einem miesen Ende eigentlich schon zu rechnen.

Nochmals herzlichen Dank an die Verlagsvertretung vom HEYNE Verlag, für die Zusendung des Rezensionsexemplars.