Freitag, 29. Juli 2016

Wrath James White - Schänderblut

Meine Wertung: ★★★☆☆ 3/5

Autor: Wrath James White

Titel: Schänderblut

OT: Succulent Prey, 2008

Verlag: FESTA

ISBN: 9783865522191

Deutsche Erstausgabe: 2013

Seiten: 332

Format: Taschenbuch

Genre: Horror, Thriller, Komödie





"Wenn das Licht anging, 
kamen die Schmerzen zurück."


Eine gute Freundin von mir, verschlingt die Bücher vom FESTA-Verlag geradezu. Mein Favorit ist bisher noch immer Eine Nacht im Keller von Nate Southard. Das Labyrinth der Puppen war ja dergestalt schlecht geschrieben/übersetzt, dass ich seither immer erst Einblick in die zur Verfügung gestellte Leseprobe nehme. So auch bei Schänderblut vom Zorn James White.
Wenn sich ein Autor selbst den Namen Zorn verleiht, dürfte man eigentlich bereits davon ausgehen, dass seine Bücher genau so seicht sind, wie der Name. Und so kommen wir zu meiner Meinung zu Schänderblut.

Zorn James Wrath ist hier ein bisschen vom logischen Weg abgekommen. So haben wir eine Frau, deren Nippel abgebissen werden, auf den nächsten Seiten, sind sie aber wieder (nachgewachsen?) jedenfalls wieder vorhanden, um ein paar Seiten weiter, wieder nich mehr vorhanden zu sein.
Alicia wird von Joe ans Bett gefesselt. Sie liegt auf dem blutgetränkten Laken und hat keine Chance, sich zu befreien. Und doch befindet sie sich nachher plötzlich im Badzimmer kauernd.

Wir haben in diesem Buch die pure Obsession von Fleischeslust in zweierlei Art. Kannibalsimus und Sex. Es gibt sogar ein Rezept dafür, wie man eine Frau, am besten zubereitet und kocht.
Zorn James Wrath hat sich wahrlich bemüht, etwas Ekelhaftes zu erschaffen, scheitert aber durch all die Klischees und die mühselig hingeschmierte "Liebesgeschichte".
Alicia's praller Arsch wird dermassen oft beschrieben, dass man fast zu schreien anfängt. Der Leser versteht beim ersten Beschrieb bereits, dass Alicia's Arsch in Joe's Augen perfekt ist.
Wenn man den anfänglichen Ekel überwunden hat, kommt man nicht umhin zu lachen. Die ganze Handlung ist lächerlich und an den Haaren herbeigezogen. Des Weiteren ist alles absehbar und wie bereits erwähnt, trieft das Buch vor Klischees.
Wir haben einen Polizisten, der so beschrieben wird, dass man direkt an SHAFT denkt. Etwas weiter unten im Text, wird er dann auch als "Shaft für Arme" bezeichnet.
Die Männer strotzen nur so vor Testosteron und sind bestens bestückt, sodass jeder Hengst daneben neidisch werden würde.

Kurz gesagt, eine nette Unterhaltung. Nicht mehr und nicht weniger.

Zusammenfassung

- Achtung Spoiler -
In der Einleitung lernen wir den kleinen Joey kennen, der gerade üüübelst von Damon Trent gefoltert wird. Joey ist das einzige von Trents Opfern das überlebt hat. Wieso Damon ihn hat laufen lassen, erfahren wir jedoch nicht.
Joey, nun ein Student, glaubt sich infiziert. Er hat die These aufgestellt, dass Serienkiller, von einer Art Virus befallen sind, den sie an ihre Opfer weitergeben. Ähnlich, wie in Vampir- und Werwolfsagen muss der, von dem das Virus erstmalig ausgegangen ist, vernichtet werden, damit man selbst von dem Fluch befreit ist - oder von dem Virus. Was in dem Fall aber kein Virus sein kann und dann wohl doch eher als Fluch zu bezeichnen ist.
Joe wirkt aufgrund seiner muskulösen Gestalt und dem finsteren Blick furchteinflössend. Auch seine Äusserungen während der Vorlesungen machen das nicht besser. Selbst seine Professoren empfinden Unbehagen durch seine Präsenz.
Schliesslich kommt Joe nicht mehr gegen den Drang, Menschenfleisch zu kosten, an. Zwar geht er zu Treffen einer Selbsthilfegruppe, um mit seiner Psychose fertig zu werden, jedoch merkt er schnell, dass sich diese Leute an den Geschichten/Beichten der anderen aufgeilen - und so tritt Frank in den Mittelpunkt. Ein dürrer Sexsüchtiger, der jede Woche eine neue Geschichte hervorbringt, wie er gepeinigt worden ist und wie sehr es ihm gefallen hat.
Joe ist in einem Forum für Kannibalen angemeldet und erhält diverse Nachrichten, von der aber nur eine Ernsthaftigkeit ausdrückt. Sie kommt von Frank, der nicht weiss, dass er sich eben Joe ausgeliefert hat. Es kommt zu einem Treffen, wo Joe Frank ein Stück aus dem Hintern schneidet und es verspeist. Die Beschaffenheit, der Geschmack und Geruch von Menschenfleisch bringen Joe derart in Ekstase, dass er während dem Verzehr abspritzt. Man kann es kaum glauben, aber sogar Frank kommt so weit - mit einem klaffenden Loch im Allerwertesten. Joe ist sich sicher, wenn Frank bleibt, verspeist er diesen ganz und dirigiert ihn zum Gehen.
In einem Swingerclub trifft Joe auf Alicia, die Frau seiner Träume - und ab hier hat Zorn James White es versaut!
Was zu Beginn Entsetzen im Leser hervorgerufen hat, endet in einer seichten Liebesgeschichte. Joe will Alicia verspeisen, die Liebe zu ihr hält ihn aber vorerst davon ab. Alicia ist das pure Klischee. Verzweifelt, sexsüchtig und geht mit einem Fremden, Joe, nach hause. Nach hemmungslosem Sex wird sie ans Bett gefesselt. Es wird beschrieben wie Joe ihre Nippel abbeisst. Guten Appetit. Ein paar Seiten weiter, hat Alicia ihre Nippel wieder und dann wieder nicht mehr. Ähm ja?
Joe verspeist eine Bibliothekarin, während Alicia ans Bett gefesselt ist. Als er sie fertig verspiesen hat, kauert Alicia in einer Ecke des Badezimmers. Hallo Logik?
Damon sitzt in der Psychiatrie und spürt, dass Joe ihn besuchen wird. Er spürt, dass Joe auf dem Weg zu ihm ist und lässt ihn auf die Besucherliste setzen. Hellsichtig ist er allerdings erst in der Geschlossenen geworden.
Frank sucht Joe in dessen Apartment auf und findet Alicia auf dem blutgetränkten Laken, ans Bett gefesselt vor. Natürlich wird er von Joe überwältigt. Wie absehbar. Joe nimmt Frank und Alicia mit auf den Weg zu Damon Trent. Alicia, die trotz des Verlusts ihrer nachwachsenden Nippel, Liebe für Joe empfindet, schwört, dass sie ihn unterstützen wird. Joe ist dabei Frank zu verspeisen. Wie er dessen Hodensack aussaugt wird wunderbar detailliert beschrieben. Dann kommt ein weiterer Höhepunkt des Abstrusen. Frank ist derart schwer verletzt und hat zahlreiche Wunden, die entzündet sind, sodass er weiss, dass er sterben wird. Er bittet Joe, ihm seinen letzten Wunsch zu erfüllen: Er möchte bei lebendigem Leib gegrillt und von Joe komplett aufgegessen werden.
Es wird beschrieben, wie Joe (Hach diese Zufälle immer!) eine 2m lange Metallstange findet und Frank damit pfählt. Joe zeigt Mitgefühl und fragt Frank, ob er ihn nicht doch vorher töten solle. Nein. Langsam stösst er die Stange/den Pfahl in Frank's Rektum und durch dessen Innereien. Kurz vor dem Herzen fragt er nochmals, ob er ihn töten solle. Nein. Die Stange tritt durch Frank's Schulter wieder aus. Auf dem Platz befindet sich eine Grube (wieder so ein Zufall), sodass er Frank mühelos grillieren kann. Es heisst, dies sei die beliebteste Sterbeart unter Menschen, die gefressen werden wollen. Natürlich! Wer träumt nicht davon gepfählt und geröstet zu werden?
Frank's Haut wird von den Flammen geröstet. Joe beginnt ihn zu verspeisen und er sieht, wie sich ein Lächeln auf Frank's Gesicht ausbreitet, ehe er stirbt.
Alicia kommt auf Joe zugekrochen. Sie ist angewidert und erregt zugleich. Nun isst auch sie ein Stück von Frank, während sie von Joe gefickt wird.
Danach steigen die Beiden in einem Motel ab, wo er seiner Gier verfällt und Alicia beide Monsterbusen abbeisst. Die wachsen erstaunlicherweise nicht mehr nach... o_O Joe bringt Alicia ins Krankenhaus und stattet Damon einen Besuch ab. Hinterher ruft er bei seinem Professor an, um diesem zu schildern, dass seine Theorie richtig war. Joe wird derzeit von seinen zwei Professoren und der Polizei gesucht.
Nachdem er Damon getötet hat, wird Joe klar, dass nicht Damon der Obervampir war, sondern, dass dies sein Vater war. Joe macht sich auf zum Haus seines Vaters. Dort erfährt er, dass sein eigener Vater Kinder entführt hatte. Die Meisten hatte er wieder freigelassen. Darunter war Damon Trent. Natüüüürlich...
Als die Polizei eintrifft, ist Joe's Vater bereits tot. Aus dessen Keller werden, ähnlich wie bei Gacy, Leiche um Leiche geborgen.
Alicia wundert sich nicht, als Joe plötzlich in ihrer Wohnung steht. Sie ist keine Frau mehr. Aha. Sie bittet Joe, sie zu verspeisen. Voll und ganz. Von Kopf bis Fuss. Joe kommt ihrem Wunsch nach. Die Polizisten, die vor Alicia's Apartment hätten Wache schieben sollen, hatten geschlafen. Sie bekommen jedoch Joe in die Finger und führen diesen ab.
Joe sitzt hinter Gittern und dient als Versuchskaninchen, aufgrund seiner Virus-Theorie. Er erhält Besuch, vom Aktmodell, welches er damals an der Uni malen sollte. Er hatte sie gemalt. Auf seiner Leinwand war das reinste Blutbad. Ein Massaker. Ihr hatte das gefallen. Sie bringt Joe ein Geschenk mit. Sie hatte sich einen ihrer Nippel abgetrennt und Joe zum Verspeisen mitgebracht.
Ende.



Donnerstag, 28. Juli 2016

Wrath James White - Sein Schmerz

Meine Wertung: ★☆☆☆☆ 1/5

Autor: Wrath James White

Titel: Sein Schmerz

OT: His Pain, 2011

Verlag: FESTA

ISBN: Keine, da FESTA eXtrem

Deutsche Erstausgabe: 2013

Seiten: 122

Format: Taschenbuch

Genre: Horror, Thriller, Komödie






"Welcher Dämon der Hölle
hat dich in seinem Zorn geschaffen?
- Homer Simpson


"Wenn Wrath James White Dich icht erschaudern lässt, dann sitzt Du am falschen Ende des Leichenwagens."
- Jack Ketchum
Demnach sitze ich auf der falschen Seite. Wie kann man nur einen derartigen Stumpfsinn hinschmieren und auch noch verlegt werden?

Zorn beschreibt das Schicksal des 17-jährigen Jason, der an Hypersensibilität leidet. Sonnenlicht bringt ihn fast um (erinnert uns das nicht an den schnuckligen Gizmo aus Gremlins?), sodass sein Zimmer abgedunkelt ist. Berührungen und sogar Stimmen verursachen Höllenqualen und so fristet er den Grossteil seines Lebens in einem Leichensack aus Latex, in dem er vor seiner Umwelt geschützt ist.
Seine Mutter findet eine Art Wunderheiler, den sie sogleich einfliegen lässt. Dieser "therapiert" Jason soweit, dass er sich nachdem er durch die Hölle gegangen ist, sogar auf die Strasse traut. Er versteht es nun, seinen Schmerz zu kontrollieren.
Natürlich findet Jason gleich eine Freundin, mit der er dann in einem schäbigen Hotelzimmer unterkommt. Sie geht anschaffen, um die Miete bezahlen zu können. Als Jason das bewusst wird, tut er, was er tun muss.
Er hinterlässt ein Blutbad, welches vollkommen absehbar ist.

Jeder Schritt ist absehbar und wenn nicht, dann einfach nur stumpfsinnig. Ich habe noch nie einen derartigen geschriebenen Dünschiss gelesen.


Freitag, 15. Juli 2016

Jack Ketchum - Jagdtrip

Meine Wertung: ★★☆☆☆ 2/5

Autor: Jack Ketchum

Titel: Jagdtrip

OT: Cover, 1987

Verlag: Heyne Harcore

ISBN: 9783453677067

Deutsche Erstausgabe 2016

Seiten: 349

Einband: Kartoniert

Genre: Thriller





Dann hat man alle Bücher von Jack Ketchum gelesen und freut sich riesig auf ein *neues* Werk von ihm und erhält dann das...
Jagdtrip ist eines von Ketchum's frühen Werken. Während dem Lesen wird einem klar, warum HEYNE erst alle anderen verlegt hat. Was für ein pseudotragisches, inhaltloses und so komplett nichtssagendes Buch, wir hier doch vor uns haben.
Im Vorwort erzählt uns der Autor, dass er selbst nicht in Vietnam war und dennoch wollte er darüber schreiben. Wäre er dort gewesen, hätte er möglicherweise eine bessere Story zuwege gebracht... Wir werden es nie erfahren.


Jagdtrip in a nutshell

Ein Vietnamveteran lebt, wie einige andere Vetetanen, nun in den Wäldern und pflanzt Marihuana an. Hätte Garland "The Beach" nicht erst 1996 geschrieben, hätte ich behauptet, Ketchum hat abgekupfert. Jedenfalls wird er von seiner Frau verlassen und bleibt allein mit dem Hund zurück. Er verliert sich mehr und mehr in Erinnerung und seinem eigenen Wahnsinn des Vietnamkrieges.
Als einige prominente Camper auftauchen, nimmt die Handlung laymon'sche Züge an, nur dass sie noch plumper ist, als jene Laymon's.
Wer Wer Thoreau's "WALDEN" gelesen hat, erkennt was Ketchum hier kläglich versucht hat und womit er gründlich gescheitert ist.


Zusammengefasst

Jagdtrip ist so gar nicht Ketchum. Mann mit Hund haben wir später in Blutrot wieder, welches ein wahrhaft geniales Buch von ihm ist. Hier jedoch gelingt ihm die Tiefe nicht. Die Beziehung zwischen Lee und dessen Hund Pawlow ist halb so gut beschrieben, wie vom Autor gewollt. Auch versucht er sich in einem Drama, als Lee von seiner schwangeren Frau verlassen wird und fortan der Einsamkeit frönt. Da Ketchum etwa so viel über die Geschehnisse in Vietnam weiss, wie ich, bleibt die Story oberflächlich. Die Erinnerungen des Soldaten erinnern an Oliver Stone's Platoon. der 1986 erschienen ist.
Plötzlich sind wir fernab der Wälder in der Stadt, wo wir das Model Michelle haben, die eine Affäre mit Kelsey hat, der mit Caroline verheiratet ist, die das alles duldet. Die drei machen mit weiteren drei Freunden, Alan, Ross und Graham, schliesslich, nach viel Blabla, einen Ausflug in die Wälder.
Michelle : Model
Caroline : steinharte, frigide Karrierefrau
Kelsey : Schriftsteller
Ross : Neidisch auf Kelsey's Erfolg
Graham : Fotograf
Alan : Agent/Manager
Die Personenbeschreibungen sind so gar nicht typisch für Ketchum. Es scheint hier, als hätte er zu viel Laymon gelesen, erwartet und bekommt man so etwas doch stets vom guten Richard Laymon zu lesen. Auch die Kulisse als Gejagte in den Wäldern erinnert stark an Laymon.
Unschuldige Menschen gehen in der Wildnis campen und werden von einem Irren gejagt und ermordet (grösstenteils).
Um den Anschein zu erwecken, er habe ein wenig Ahnung vom Vietnamkrieg, beschreibt Ketchum ein paar "vietcong-typische" Fallen. Einer dieser Fallen fällt sogar ein anderer Veteran zum Opfer.
Auf den ersten 200 Seiten passiert einfach nichts. Wir haben klischeebehaftete Vietnam-Backflashs, Personen- und Dramabeschreibungen. Punkt. Auf Seite 212 gibt es dann endlich das langersehnte erste Opfer. 10 Seiten weiter haben wir das zweite Opfer. Schliesslich haben wieder 40 Seiten, in denen er kläglich versucht Spannung aufzubauen und kläglich scheitert. Wieder haben wir ein Vietnam-Backflash. Das selbe, das wir vor wenigen Seiten schon einmal hatten - nur ein wenig anders erzählt.
Die Cervelat-Promi-Camper irren, teils verletzt, durch die Wälder auf der Suche nach der rettenden Strasse. Auf ihren Fersen ist Lee. Und noch immer kommt keine Spannung auf. Schliesslich kommt es zum Showdown, der etwa so glaubwürdig ist, wie jener in Dan Brown's Davinci-Code... *gääähn*.

Den Schluss hat Ketchum so richtig versaut. Andererseits, ist das ganze Buch nicht gerade grossartig, da war mit einem miesen Ende eigentlich schon zu rechnen.

Nochmals herzlichen Dank an die Verlagsvertretung vom HEYNE Verlag, für die Zusendung des Rezensionsexemplars.






Mittwoch, 13. Juli 2016

Stephen King - Carrie

Meine Wertung: ★★★☆☆ 3/5

Autor: Stephen King

Titel: Carrie

OT: Carrie, 1974

Verlag: Bastei Lübbe

ISBN: 9783404131211

Deutsche Erstausgabe: 1987

Seiten: 329

Einband: Kartoniert

Genre: Horror

Dazu passt: Feuerkind



- Diese Rezension ist bis zum bersten mit Spoilern gefüllt - 

"Bücher verändern sich, jedes Mal, wenn man sie liest", sagt Herr Koreander in Michael Ende's "Die unendliche Geschichte". Er hat recht. Als ich Carrie erstmals gelesen habe, es war irgendwann 2001, also vor gut 15 Jahren, empfand ich die Einschübe aus Verhör, Studien und Büchern als eXtrem störend. Heute, 15 Jahre später, betrachte ich sie als spannend und interessant - und dennoch ist meine Wertung wohl die gleiche, wie ich sie damals abgegeben hätte.
Mir ist es ein Rätsel, wieso King ausgerechnet mit diesem Werk der Durchbruch gelungen ist. Wieso "Carrie" als "Horror" bezeichnet wird, ist mir ebenfalls unerklärlich.
Das einzig schockierende, was in die Nähe von Horror und Grauen rückt, ist die religiöse Obsession von Carries Mutter, Margaret White.

In "Carrie" wird der Leidensweg der jungen Carietta White geschildert. Von einem süssen und hübschen kleinen Mädchen wandelte sie sich in einen übergewichtigen und pickligen Teenager, der als recht abstossend beschrieben wird. An jeder Schule braucht es einen Aussenseiter und an der Chamberlain High School ist es Carrie White.
Obschon sie bereits im Alter von 3 Jahren erstmals ihre telekinetischen Fähigkeiten nutzte, um Steine auf ihr Haus regnen zu lassen, tauchen diese Kräfte erst 13 Jahre später wieder auf. Auslöser, so wird im fiktiven Buch "Als der Schatten explodierte. Der Fall Carietta White: Dokumentierte Tatsachen und spezifische Schlussfolgerungen", Tulane University Press, 1981 von David R. Congress, erwähnt, sie wahrscheinlich das Einsetzen der Periode und die damit verbundene Tortur gewesen.
Carrie, die erstaunlicherweise, nie zuvor etwas von der Periode gehört hat und in dem Glauben erzogen worden ist, nur schlechte Frauen bekämen Brüste aka Schmutzigekissen, ist geschockt und glaubt zu verbluten, als sie erstmals ihre Tage bekommt. Dies im Duschraum nach dem Sportunterricht. Ihre Mitschülerinnen machen sich, einmal mehr, einen Spass daraus und bewerfen Carrie mit Tampons und Binden. Dazu brüllen sie unentwegt "Stopf es zu!"
Angeführt werden sie von Chris Hargensen, die einen unerklärlichen Hass auf Carrie hat/bekommt.
Die Sportlehrerin Miss Desjardin kommt hinzu und ist fassungslos, als sie realisiert, dass Carrie zu Tode verängstigt ist und glaubt sterben zu müssen.
Carrie sitzt im Büro des Schuldirektors, wo sie mittels Telekinese einen Aschenbecher zu Boden springen lässt und wird schliesslich nach hause geschickt. Miss Desjardin bestraft die Mädchen, in dem sie sie zum Nachsitzen verdammt. Nachsitzen auf dem Sportplatz. Wer schwänzt, darf nicht zum Abschlussball. Dies beeindruckt Chris Hargensen gar nicht und sie droht mit ihrem Vater, dem geleckten Herrn Anwalt, der später dann seinen Weg ins Büro des Schuldirektors findet und von diesem platt gemacht wird.
Chris ist vom Abschlussball ausgeschlossen, was sie natürlich daran hindert, dennoch dort zu erscheinen. Zusammen mit Billy Nolan, ihrem gegenwärtigen "Freund".
Sue Snell macht die Erfahrung, Mitleid mit Carrie zu empfinden. Sie fühlt sich schlecht, weil sie beim Tampon-Bombardement mitgemacht hat und überredet ihren Freund, Tommy Ross, mit Carrie zum Abschlussball zu gehen. Somit darf sie selbst nicht zum Ball gehen und empfindet dies als gerechte Strafe für ihre Tat.
Tommy geht schliesslich mit Carrie zum Ball und findet Gefallen daran.
Durch eine List, werden Tommy und Carrie zum Königin und Königin des Abschlussballs gekürt, worauf das Inferno beginnt.
Billy Nolan hatte zwei Schweine erschlagen und zwei Eimer mit deren Blut gefüllt. Diese beiden Eimer befinden sich über den Köpfen von Carrie und Tommy, die auf den Thronen sitzen und gefeiert werden. Billy ist mittlerweile so weit, dass er es gar nicht schlecht fände, wenn anstelle von Carrie, die er nicht einmal kennt, Chris dort unten sitzen und mit Schweineblut übergossen werden würde. Ihre Beziehung ist vorbei, das haben sie bereits zuvor gewusst, als sie aufeinander eingeprügelt hatten und Billy Chris schliesslich vergewaltigt hat.
Die beiden Eimer ergiessen sich über Carrie White, die mit geschlossenen Augen auf dem Thron sitzt. Sie verflucht sich innerlich, weil sie WIEDER auf ihre Mitschüler hereingefallen ist und es DOCH wieder nur ein Trick war, um ihr eins auszuwischen. Jemand aus der Menge schreit "Oh mein Gott, das ist ja Blut!" und Carrie hofft, dass dies nicht stimmen möge. Das diese klebrige Masse kein Blut ist. Jemand beginnt zu lachen, worauf Carrie die Augen öffnet und in die Menge starrt. Aufgrund ihres Starrens, beginnen weitere Mitschüler zu lachen und sie zu verhöhnen. Carrie schleudert Miss Desjardin, die mit offenen Armen auf sie zugehen will, an sich vorbei auf die Bühne und verlässt die Sporthalle.
Draussen besinnt sie sich eines Besseren und verschliesst die Türen. Sie schaut zu, wie ihre Mitschüler büssen. Flammen lodern, Menschen sterben. Sie alle sind gefangen in der Sporthalle. Einige Wenige können durch die Feuertüren entkommen - die wenigen, die überlebt haben. Alle anderen fallen den Flammen zum Opfer.
Carrie geht nach hause, zutiefst verletzt. Sie will nur zu ihrer Momma. Nach hause zu Momma. Margaret White erwartet ihre Tochter bereits, mit einem Messer in der einen Hand, welches sie Carrie in den Rücken rammt, ehe sie ihren Lebensatem aushaucht.
Carrie schleppt sich schwer verletzt durch den Garten und durch die Stadt, wo sie die Chance bekommt, sich an Billy und Chris zu rächen, in dem sie Billy's Auto mit über 70km/h in die Hausmauer einer Bar schleudert. Während Billy sofort tot ist, überlebt Chris schwerverletzt, ehe sie von den Flammen, des in Brand gesteckten Benzintanks, hingerichtet wird.
Carrie schleppt sich weiter durch die Strassen und bleibt auf einer Wiese liegen, wo sie letztendlich von Sue Snell gefunden wird. Carrie erfährt, dass Sue kein böses Spiel mit ihr getrieben hat, ehe sie stirbt.

So viel zu meiner Zusammenfassung. Horror bleibt aus. In meinen Augen ist "Carrie" ein Teenie-Drama. Eine Aussenseiterin wird immer wieder zum Gespött ihrer Mitschüler, bis das Fass überläuft und sie die Chance bekommt, sich für all die Schandtaten zu rächen.
Ganz ehrlich, wenn Ihr, meine treuen Leser, zurück denkt, an Eure Schulzeit. Gab es da nicht auch eine Carrie White? Möglicherweise ohne telekinetische Fähigkeiten. Oder auch in maskuliner Form. Aber sie war da. Ich kann sehr gut mit Carrie mitfühlen, da ich selbst auch mal die "Carrie" war. Später dann war ich eine von Chris Freundinnen bis ich schliesslich, gegen Ende meiner Schulzeit, zu Chris mutierte. Kurz gefasst, hätte meine Carrie telekinetische Fähigkeiten besessen, wäre ich einen Flammentod gestorben.
Darüber hinaus bin ich froh, dass wir damals, in den 90ern noch nicht über Youtube und Co verfügt haben. Ich wäre zu unaussprechlichen Grausamkeit fähig gewesen, denke ich.

Wie dem auch sei, die Sprünge zwischen der Geschichte, dem Verhör, diversen Zeugenaussagen und diversen fiktiven Büchern, machen das Lesen nicht immer ganz einfach, aber interessant und unterhaltend. Es ist mal etwas Neues!
Manche Kritiker behaupten, Stephen King hätte es geschafft, Carrie als unsympathischen Sündenbock hinzustellen. Au contraire. Ich habe Mitleid mit ihr empfunden. Den Tod hatte sie nicht verdient, aber wie hätte sie weiterleben sollen? Unter diesen Umständen?

Wie findet Ihr "Carrie"?

NS: Nach Beenden des Buches habe ich einen Carrie-Marathon gemacht und alle drei Verfilmungen hintereinander in chronologischer Reihenfolge geschaut. So viel sei schon einmal verraten, der aus 2002, ist ganz schlecht. Aber mehr dazu in "Carrie: Buch VS Film", bald mal online.