Samstag, 11. Juni 2016

Stephen King - Friedhof der Kuscheltiere

Meine Wertung: ★★★★☆ 4/5

Autor: Stephen King

Titel: Friedhof der Kuscheltiere

OT: Pet Sematary, 1983

Verlag: Heyne

ISBN: 9783453007864

Deutsche Erstausgabe: 1985

Seiten: 460

Einband: Kartoniert

Genre: Horror

Dazu passt: Cujo



Es muss gestanden werden, ehe ich ein Wort über das Buch verliere... Im Alter von ca. 10 Jahren verfiel ich in eine Horrorfilmphase, von der ich mich nie erholt habe. In der TV-Zeitung "TELE", markierte ich mit Kugelschreiber ALLES, was ins Horrorgenre fiel. Und so kam einst der Tag, an dem auf Kabel 1 "Friedhof der Kuscheltiere 2" lief. Ich war begeistert. Es dauerte seine Zeit, bis dann schliesslich mal der Vorgänger, mehr oder weniger auf dem Buch basierend, gezeigt wurde.
Himmel, ging mir dieses Kind namens Gage auf die Nerven, dabei war ich selbst noch ein Kind.
Wie dem auch sei, ich fand diesen Film unheimlicher, als die Fortsetzung und musste einfach das Buch haben.
Wieso mir Friedhof der Kuscheltiere 2 so gut gefällt - noch heute, wollten Menschen wissen. Ich verbinde den Film mit meiner Kindheit. Der puren Nostalgie. Was habe ich damals für Edward Furlong geschwärmt! Haha! Ich schaute JEDEN Film, in dem er zu sehen war. Für Clancy Brown hegte ich ohnehin seit Bad Boys eine Sympathie und da der Film im Herbst spielt und dies zufällig meine Lieblingsjahreszeit ist, hat er ohnehin schon gewonnen - nicht zuletzt wegen des starken Soundtracks! -_^
Aber in einem späteren Eintrag Buch VS Film, mehr darüber.

Am 16. März 2016 habe ich mir das Buch nochmals geschnappt und gelesen. Wie konnte ich nur vergessen, dass mir dieses Gage-Kind auch im Buch dermassen auf die Nerven ging? Wüsste ich nicht, dass King Kinder mag, hätte ich ihm unterstellt, er zeichnet die Kinder absichtlich so, dass man gar nicht anders kann, als Aggressionen zu entwickeln und auf einen baldigen (grausamen) Tod zu hoffen.

Louis Creed zieht nach Ludlow im Bundesstaat Maine, wo er eine neue Stelle als Arzt an der hiesigen Universität antreten wird. Seine Frau Rachel, die beiden Kinder, Gage und Ellie und Kater Winston Churchill "Church" sind auch mit dabei. Am Tag des Einzugs trifft Louis bereits auf seinen Nachbarn, Jud Crandall, der mit seiner Frau Norma (ja im Buch ist er (noch) nicht verwitwet). Bald schon zeigt Jud der Familie, wo der Pfad hinter dem Haus hinführt - zum Tierfriedhof.
Rachel, die mit einem Kindheitstrauma kämpft und den Tod (und das Dahinsiechen) ihrer Schwester nie überwunden hat, ist gar nicht begeistert davon...
  An Louis' erstem Arbeitstag wird Pascow zu ihm gebracht. Ein Junge, der beim Joggen schwer verletzt worden ist, als er von einem der Laster erfasst wurde einem Typen erfasst wurde. Er verstirbt noch auf der Krankenstation und erscheint Louis in der Nacht. "Der Acker im Herzen eines Mannes ist steiniger."
Louis wird erstmals davor gewarnt, sich über die Grenze zur Begräbnisstätte der Micmacs zu begeben. Erst kann er mit dieser Warnung nicht viel anfangen. Wird aber immer wieder damit konfrontiert.
  Da Louis ein mehr als gespaltenes Verhältnis zu Rachel's Eltern hat, bleibt er zuhause, seine Frau und die beiden Kinder Thanksgiving bei den beiden feiern. In dieser Zeit wird der Kater von einem Laster angefahren. Jud kommt auf die glorreiche Idee, Louis zum Tierfriedhof mitzunehmen. Jenseits der Grenze befindet sich eine Begräbnisstätte der Micmac-Indianer. Jud erzählt Louis die Legende: Er erzählt, von Menschen, die ihre Tiere dort begraben hatten. Von Tieren, die wieder zurückkehrten - von den Toten. Darunter Jud's Hund. Da Louis befürchtet, seine Tochter würde den Tod ihres Katers nicht verkraften, begräbt er das Tier dort.
Kurz darauf kehrt auch Church von den Toten zurück. Er ist träger als zuvor und stinkt wie ein Grab, aber ansonsten scheint er wohlauf zu sein.
Auf die Frage, ob schon mal jemand einen Menschen dort begraben hätte, wird Jud nervös und ruft aus, dass man nicht auf so eine Idee käme!
Später dann stellt sich heraus, dass der alte Baterman damals seinen, im Krieg gefallenen, Junge dort oben begraben hatte. Dieser sei hinkend und stinkend und mit dem puren Bösen in den Augen zurückgekehrt.
Schliesslich kommt der Tag, an dem Gage auf die Strasse läuft. Eine dicht, von LKW's befahrene Strasse... und das Grauen nimmt seinen Anfang - oder dreht sich einfach weiter...

Friedhof der Kuscheltiere... der für King typische Familiendisput, eine glückliche Familie, der ein Schicksalsschlag widerfährt - oder mehrere. Die Frage nach Richtig und Falsch. Die Frage nach Moral? Wie weit würde man gehen, um einen geliebten Menschen, wiederbeleben zu können?
Atmosphärisch wunderbar, düster und unheimlich. Auch hier haben wir, wie bereits in Cujo, diese verheissungsvollen Ankündigungen und warten ungeduldig darauf, dass Gevatter Tod endlich seine Sense sausen lässt...
80% des Buches kann man kaum mehr weglegen, dergestalt spannend ist es geschrieben und obschon man es kennt, obschon man den Film kennt, obschon man weiss, was passiert, legt man es einfach nicht weg. Dann kommen die 20%, die elends lang erscheinen. Über wie viele Seiten geht die Beerdigung, die Trauerfeier nochmals?

Was mir besonders gefällt ist die Freundschaft, die sich zwischen dem alten Jud und Louis entwickelt, ohne dass Louis es bemerkt. Das abendliche Bierchen auf der Veranda und das Plaudern über Gott und die Welt, die Micmacs, den Vendigo... -_^