Montag, 7. März 2016

Stephen King - Todesmarsch

Meine Wertung: ★★★★★ 5/5

Autor: Stephen King (als Richard Bachman)

Titel: Todesmarsch

OT: The long walk, 1979

Verlag: Heyne (what else -_^)

ISBN: 978-3-453-02375-8

Deutsche Erstausgabe: 1987

Seiten: 315

Einband: Kartoniert

Genre: Endzeit-Roman

Dazu passt: Battle Royale



Todesmarsch... Alte Erinnerungen stiegen an die Oberfläche der Gedanken, als ich dieses Buch gelesen habe.
Ich erinnerte mich beispielsweise an den Sportunterricht in der Oberstufe, als wir dazu gezwungen waren, einen ganzen Kilometer lang zu rennen. Neben uns her liefen ebenfalls Soldaten, die uns antrieben, bloss nicht schlapp zu machen. Jene Soldaten waren natürlich nur eine Person, unsere Sportlehrerin. Wir dachten, wir würden sterben. Doch mit der nackten Angst in den Knochen und Muskeln rannten und marschierten wir weiter und weiter...
Dann liest man Todesmarsch und fragt sich, wieso man selbst wegen einem einzigen Kilometer so ein Drama gemacht hat... Gut, im Todesmarsch mussten sie nicht rennen, aber wäre mir eine dreitätige Wanderung ohne Schlaf und ohne Pause wirklich lieber gewesen? Mit den Augen meines Teenager-Ichs von damals, hätte ich vermutlich JA gesagt. Für ein paar wenige Andere und mich, war dieser Kilometer nahezu tödlich. Des besseren Verständnisses für meine damalige Situation muss ich wohl erwähnen, dass meine Konditionen damals gleich Null war. Oder gar darunter. Ich hasste Sport und liebte es, die Freizeit mit einer Pizza oder einer Tüte Chips vor dem Fernseher zu verbringen. 77kg brachte ich damals auf die Waage und da bei einer Grösse von damals ca. 156cm. So gesehen, ist es also nicht verwunderlich, dass jener Kilometer ein "Todesrun" für mich darstelle... Ich denke, zu jenem Zeitpunkt in meiner Vergangenheit, hätte ich mich wohl lieber erschiessen lassen, denn drei Tage lang umher zu marschieren, um am Ende ohnehin erschossen zu werden. So viel dazu.

Nun aber zum Buch:
Die USA in einer finsteren Zukunft. Das Militär hat die Macht an sich gerissen und unterliegt dem Diktator "Major", der zugleich verehrt wird und verhasst ist. Zur allgemeinen Belustigung (und möglicherweise auch, um die Menschheit zu dezimieren) hat er den sogenannten Todesmarsch ins Leben gerufen. 100 Jugendliche dürfen jährlich an diesem Marathon um Leben und Tod teilnehmen. Der Sieger bekommt, mehr Reichtum, als er sich vorstellen kann und überhaupt wird ihm jeder Wunsch erfüllt. Gewinnen kann man, wenn man die 99 anderen Läufer überlebt. Wer sein Tempo drosselt und zurückfällt, wird verwarnt. Ebenso wenn man stehen bleibt. Nach drei Verwarnungen wird man erschossen, es sei denn man die Verwarnungen durch konstantes Tempo über Stunden wieder wett gemacht. Der Marsch dauert so lange und so weit, bis nur noch ein Läufer übrig ist.
Obschon die Teilnehmer wissen, dass die Überlebenschancen 1:100 stehen, melden sie sich freiwillig. Anfangs denkt noch ein jeder, er wird es schaffen, stösst dann aber irgendwann an seine Grenzen.

King gewährt uns einen Einblick in die Empfindungen von Garraty Raymond Davis, ID-No: 49-801-89, der sich auf dem Parkplatz vor dem Marsch mit Peter McVries anfreundet. Die beiden Jungen unterstützen einander während des gesamten Marschs. Während dem Marathon freunden sie sich mit anderen Jungen an. Nur wenige sehen einander als Rivalen. Als Paradebeispiel dient Barkovitch, der sich über jeden Toten freut, damit angibt, er werde der Sieger sein und alle anderen Läufer provoziert.  Der letzte der Läufer, der ganz am Schluss vor sich hin marschiert, hin und wieder einen altklugen Spruch von sich gibt, ist Collie Parker, den die meisten als seltsam einstufen.

Der Marsch beginnt gemütlich und recht fröhlich. Ein riesiger Menschenauflauf feiert die Läufer. Sie beginnen miteinander zu sprechen und sich anzufreunden. Gründe werden ausgetauscht, wieso man sich gemeldet hat. Die Läufer werden konstant von Fahrzeugen der Armee begleitet, auf denen sich bewaffnete Soldaten positioniert haben. Sie überwachen die Geschwindigkeit und schiessen, wenn nötig. Als der erste Teilnehmer erschossen wird, nimmt die Realität langsam Einzug. Die verbliebenen Läufer erkennen, zu welchem Wahnsinn, sie sich gemeldet haben.
Die Atmosphäre ist beklemmend. Die Teilnehmer haben mit unterschiedlichen Problemen zu kämpfen: Durchfall, Lungenentzündung, kaputte Schuhe, Blasen, die sich entzünden, etc. Hin und wieder erzählt Collie Parker eine Anekdote von vergangenen Märschen... um die bedrückende Stimmung etwas aufzulockern, taucht die hysterische Mutter von Percy immer mal wieder in der Menge auf und schreit nach ihrem Sohn, dem das natürlich äusserst peinlich ist.

Ich erinnere mich schaudernd an die Stelle, in der McVries zu Garraty über einen anderen Läufer sagt: "Er stirbt. Stör ihn nicht dabei."

King beschreibt einfühlsam und realitätsgetreu, wie die einzelnen Läufer an ihre Grenzen stossen. Wann das Gehirn ausschaltet und man nur noch marschiert, bis man schliesslich resigniert und sich dem Tod hingibt.
Eine bedrückende Erzählung, über Durchhaltewillen und die eigenen Grenzen...