Donnerstag, 11. Februar 2016

Stephen King - Basar der bösen Träume


Meine Wertung: ★★★★★ 5/5

Autor: Stephen King

Titel: Basar der bösen Träume, 2016

OT: Bazaar of bad dreams, 2015

Verlag: Heyne (what else -_^)

ISBN: 978-3-453-27023-7

Deutsche Erstausgabe: 01/2016

Seiten: 765

Einband: Gebunden

Genre: Anthologien, Horror

Dazu passt: Sunset, Kabinett des Todes...

Das Schicksal hat es so gewollt, dass ich mein Leseexemplar erst nach dem Erscheinungsdatum erhalten habe. Offensichtlich liegt ein Fluch auf mir. Denn bei REVIAL, war es auch schon so. Erst wollte mich das LEX nicht erreichen, obschon vom Vertreter für mich vorgemerkt und verschickt. Ja, die schwarzen Löcher gibt es auch im Buchhandel... Dann verbrachte ich eine Woche im Krankenhaus, da ein ALIEN in mir wuchs, welches dann aber herausgeschnitten wurde. Dieses ALIEN trägt den liebevollen Namen Appendix und bescherte mir unmenschliche Höllenqualen. Witzigerweise las ich zum Zeitpunkt, als die Schmerzen aufkamen, die Erzählung "Der kleine grüne Gott der Qual". Es war Zufall, aber sehr treffend. Zur Geschichte meiner ALIEN-Entfernung geht es hier: La vie de Navi - Erzählungen: Das ALIEN ist tot.

Auf über 700 Seiten kommen wir in den Genuss von 18 Kurzgeschichten und 2 Gedichten. Manche der Erzählungen gefallen einem besser, andere nicht so und von einigen ist man hin und weg und hätte gerne, dass sie länger wären. Man verfällt in diesen Modus der Depression, in welche man öfters verfällt, wenn man eine unschlagbare Geschichte / ein unschlagbares Buch gelesen hat.
Leider kann ich mit meinem Bekanntenkreis (noch) nicht über jede einzelne Erzählung in diesem Band sprechen, da die meisten, ihn noch nicht fertig gelesen haben -.-

Anders als in den anderen Anthologiensammlungen Stephen Kings, haben wir im Basar der bösen Träume, das Vorwort zur Erzählung nicht am Anfang des Buches gesammelt, sonder vor jeder einzelnen Erzählung. Das macht es irgendwie besonders. Man hat eine Geschichte gelesen und liest das Vorwort von King, in dem er stets etwas Persönliches preisgibt und startet dann mit der neuen Geschichte.
































Raststätte Mile 81    4/5

Jene Kurzgeschichte hatte ich bereits rezensiert, nachdem ich sie im Januar 2015, also gut ein Jahr zuvor, als eBook gelesen hatte. 
Um diese Rezension nicht zu verfälschen, habe ich jene vom Vorjahr gar nicht erst angeschaut. 

Die Geschichte beginnt harmlos und idyllisch. Ähnlich wie Cujo. 
Der zehnjährige Pete Simmons schleicht sich, mit der neusten Ausgabe von American Vampire (ein Comic-Projekt, an dem King beteiligt war) zu der verlassenen Raststätte Mile 81. Es ist eine Art Mutprobe, will er doch seinem älteren Bruder und dessen Gang beweisen, dass er kein kleines Kind mehr ist und sich doch etwas traut. 
In dem verlassenen Restaurant betrinkt er sich und schläft auf einer fleckigen und ekelhaften alten Matratze ein. Man ahnt Böses... 

Während Pete seinen Rausch ausschläft, fährt ein schlammverschmierter Kombi auf den Parkplatz der Raststätte und öffnet eine Tür. Niemand steigt ein und niemand wird aussteigen... 

Jedes Kapitel trägt den Namen des nächsten Opfers. Man erfährt kurz etwas über die Personen, ehe sie sich, aufgrund ihres guten Samaritertums direkt in den Tod stürzen. 
Der Polizist, Jimmy Golding, muss unweigerlich an den Film Christine denken, als er sich dem Kombi nähert. -_^

Eine bitterböse, zynische und blutige Geschichte, die auch zum Lachen einlädt. 
Mir persönlich hat der Schluss nicht so ganz gepasst, weshalb ich hier 4/5 gebe. 


Premium Harmony   5/5

Ray und Mary waren einst glücklich verheiratet. Doch wir lernen die beiden während der Autofahrt zur Mall kennen. Sie leben in Castle Rock, das als heruntergekommen beschrieben wird. Erinnern wir uns da nicht, an das Inferno, angerichtet von Leland Gaunt in "Needful Things"? -_^ Ray macht sich gedanklich über Mary's Übergewicht lustig und sie regt sich über Ray's Raucherei auf. Da Mary keine Kinder bekommen kann, hat Ray ihr einen Jack Russel gekauft, den sie auf den Namen Biznezz getauft hat. Ray's Gefühle für diesen Hund erinnern an jene von L.T. in der Erzählung L.T.'s Theorie der Kuscheltiere, enthalten in Im Kabinett des Todes
Ray und Mary streiten sich wegen eines violetten Balls, den Mary für ihre Nichte kaufen möchte. Ray gibt schliesslich nach und hält an dem Laden, damit Mary aussteigen und den Ball besorgen kann. Es dauert. Mary kommt nicht zurück, dafür eine Angestellte des Ladens, die auf ihn zu rennt und ihm bedeutet mitzukommen. Etwas wäre seiner Frau zugestossen. Ray geht mit und lässt Biznezz derzeit im Auto warten, wer hätte ahnen können, wie lange seine Abwesenheit dauert? 

Wie im richtigen Leben. Ein zankendes Ehepaar, Sarkasmus und die Ironie des Schicksals. Im Zentrum steht die Zigarettenmarke Premium Harmony. 
Diese Geschichte ist wahrlich amüsant, wenn auch tragisch. Der Schluss hätte besser nicht sein können. ^_^

NS: Manch einer mag Parallelen zu Cujo ausmachen. ^_^


Batman und Robin haben einen Disput   4/5

Doug Sanderson sieht seinen Vater zweimal pro Woche. Sein Vater lebt in einem Altersheim und ist leicht senil. Doug führt den gebrechlichen alten Mann immer zum Essen ins gleiche Restaurant, wo er immer das gleiche Essen bestellt, es aber nicht mehr weiss. 
Eines Tages erinnert sich der Vater an den einen Halloween-Abend, an dem sie beide als Batman und Robin unterwegs waren und Doug ist begeistert und erstaunt. 
Auf dem Rückweg zum Altersheim wird Doug von einem Trucker geschnitten, dem er daraufhin dummerweise den Finger zeigt. Der Trucker steigt aus und verpasst Doug eine gehörige Abreibung. Dieser erhält jedoch plötzlich Batmans Hilfe... 

Der Schluss erinnerte mich ein wenig an X-Factor: Das Unfassbare. Da gab es eine Episode mit dem Titel Anatol. Ein alter, an den Rollstuhl gefesselter Mann, mit Arthrose und co, konnte sich genau für eine Nacht schmerzfrei und wie ein junges Reh bewegen. Einzig, um den Mord an seinem Sohn zu rächen... Seine zitternden Worte zum Sheriff "Ich bin Anatol, der Rächer."


Die Düne   5/5

Der Richter, Harvey Beecher,  bewohnt einen Sitz in der Nähe einer Düne. Jedes Mal, wenn er mit dem Ruderboot zu jener Düne rudert, sieht er einen Namen in den Sand geschrieben stehen. Kurz darauf stirbt die Person mit diesem Namen. Eines Tages sind es hunderte Namen. Später sollte sich herausstellen, dass es sich um die Namen der Passagiere der TWA-Maschine handelte, die in den Everglades verunglückt ist. 
Eines Tages sieht der Richter einen ganz bestimmten Namen im Sand, was ihn dazu veranlasst, seinen Anwalt anzurufen, um sein Testament aufzusetzen... 

Eine wunderbar unheimliche Schauergeschichte. Gänsehaut pur, mit einem Schluss à la King! Fantastisch!  


Böser kleiner Junge   5/5

Auch Böser kleiner Junge hatte ich im Jahr 2015 bereits als eBook gelesen und die Erzählung gefällt mir noch genau so gut, wie damals. 

George Hallas wartet auf die Todesstrafe. Er erzählt seinem Pflichtverteidiger Leonard Bradley seine Geschichte. Die Geschichte darüber, wie er im Todestrakt gelandet ist. 
Er beginnt in seiner Kindheit, als er so etwas wie eine Freundin hatte. Das Mädchen galt als zurückgeblieben, doch George mochte sie. Eines Tages krähte ein böser kleiner Junge, mit peinlicher Propellermütze, beleidigende Worte von einem Baum herab. Der Junge tauchte immer wieder auf, bis sich ein tragischer Unfall ereignete, der George's kleine Freundin aus dem Leben riss. 
Jahre später, als George den Jungen fast vergessen hatte, tauchte der wieder auf. Und wieder ereignete sich ein tragischer Unfall. 
Der böse kleine Junge tauchte immer wieder auf und immer wieder wurde ein von George geliebter Mensch aus dem Leben gerissen. Eines Tages hat George dann beschlossen, dem Ganzen ein Ende zu setzen. Ein blutiges Ende... 
Nun soll er schliesslich wegen Mordes an dem kleinen Jungen, der nie identifiziert werden konnte, hingerichtet werden. Dass es sich bei dem Jungen, um keinen gewöhnlichen handelte, soll der Pflichtverteidiger bald an eigener Haut erfahren... In Gedanken bei George und dessen Geschichte, wird er vom absehbaren Grauen heimgesucht...

Böser kleiner Junge ist eine bitterböse und zugleich amüsante Erzählung. 


Ein Tod   3/5

Eine Erzählung aus dem Wilden Westen, über die ich nicht so recht sagen kann, was ich von ihr halten soll. Jim Trusdale wird in seiner Hütte von Sheriff Barclay besucht. Trusdale wird wegen Mordes an Rebecca Cline verhaftet. Er bestreitet jedoch bis zum bitteren Ende, diese Tat nicht begangen zu haben, was dem Sheriff schlaflose Nächte bereitet... 

Eine Geschichte um eine Hetzjagd auf einen vermeintlichen Kindsmörder, der bestreitet, etwas mit dem Mord zu tun zu haben. Stellenweise werden wir an John Coffey in The green Mile erinnert. 


Die Knochenkirche 

Ohne Wertung und Kommentar, da ein Gedicht schwer zu werten ist. -_^


Moral   4/5

Chad und Nora, ein Ehepaar, dass sich wirklich noch liebt. Beide mit mittelmässigen Jobs, die sie geradeso durchs Leben kommen lassen. 
Nora arbeitet als Pflegerin für Reverend George Winston, von dem sie eines Tages ein unmoralisches Angebot erhält. Da der Reverend sein ganzes Leben lang nie etwas Böses getan hat, und er nun im Sterben liegt, möchte er endlich eine Sünde begehen. Da er körperlich nicht mehr dazu in der Lage ist, bietet er Nora satte 200'000 Dollar an, wenn sie für ihn eine Sünde begeht. 
Das Geld könnten sie gut gebrauchen, aber es muss einen Haken geben. Nora bespricht sich mit Chad und es ist klar, dass sie so etwas nicht machen wird. Nach einer schlaflosen Nacht, entscheidet sie sich jedoch anders. Sie beschliessen, dass Nora die Sünde für den Alten begehen und Chad sie dabei filmen wird. Leicht verdientes Geld. 
Jedoch hat keiner von ihnen mit den schwerwiegenden Folgen gerechnet...

Eine Erzählung über Moral und Geld und darüber, wie Geld sich auf den Charakter auswirken kann. Regt zum Nachdenken an... 


Leben nach dem Tod   5/5

William Andrews erliegt am Nachmittag des 23. Septembers 2012 schliesslich dem Krebs, von dem er zerfressen wurde. Nach seinem Dahinscheiden landet er in einer Art Wartezimmer. Er erblickt ein Foto von einem Picknick, auf dem er lauter bekannte Gesichter sieht. Auf der Tür vor ihm steht ISAAC HARRIS, VERWALTUNG. Er betritt den Raum und trifft auf einen genervten Typen, der ihn auf das Leben nach dem Tod vorbereitet - mehr oder weniger zumindest. 
Besonders Markant an Harris' Büro ist die Rohrpost, welche schon zu Orwell's 1984 Zeiten, DIE Erfindung schlechthin gewesen ist. 
Harris erklärt Andrews, dass er nicht zum ersten Mal vor ihm steht. Er hat die Wahl. Entweder beendet er sein Leben hier und jetzt oder er wählt, es noch einmal zu leben. Mit der Chemotherapie und den Schmerzen seines Krebsleidens. Andrews denkt sich, wenn er sein Leben noch einmal leben könnte, dann würde er den Termin zur Darmspiegelung wahrnehmen und so den Krebs umgehen. Harris wird fast wahnsinnig und erklärt ihm, dass das alle immer sagen und doch endet es immer gleich! Schliesslich muss Andrews sich entscheiden... 

Eine ganz besondere Sicht, auf die Ereignisse nach dem Tod. Wie schafft King das immer? In Langoliers hat er die Zeitreise revolutioniert, mit dem Gedanken, dass man in die Vergangenheit oder eine Art Paralleluniversum reisen kann, dieses aber verlassen ist. 
Hier werden die Ereignisse nach dem Tod geschildert. Jeder Mensch hat eine Wahl. Will er sein Leben, genau so wie es war, noch einmal leben, oder will er endgültig den Schlussstrich ziehen? 
Was würde ich machen? Genau wie Andrews würde ich mir wohl einreden das Eine oder Andere anders zu machen. Vielleicht lebe ich mein Leben auch bereits zum 4. Mal? Schreibe diese Rezension zum 4. Mal? Mit genau den gleichen Worten und Überlegungen? Wer weiss das schon?

FANTASTISCH!


Ur   4/5

Ich war es, die einmal gesagt hat, Stephen King hat zu jeder Lebenslange eine Geschichte geschrieben. Nun sogar eine über meinen Kindle. Nicht direkt über meinen, den meiner ist gewöhnlich schwarz und nicht rosa und meiner verfügt (glücklicherweise?) auch nicht über die Ur-Funktionen und doch sehe ich meinen Kindle nun mit anderen Augen... 

Wesley hat sich eben von seiner Freundin getrennt, oder sie sich von ihm. Um nicht weiterhin als altbackener Bücherwurm zu gelten, hat er sich einen Kindle bestellt. Er ist erstaunt, als dieser gleich eintrifft und in der Farbe Rosa ist. Im Internet sind die Leute überhaupt nicht up to date, sprechen sie in Foren doch darüber, dass es langweilig sei, dass es den Kindle nur in Schwarz gäbe. 
Wesley lädt sich die ersten Klassiker herunter und durchforstet seinen Kindle. Schliesslich stösst er auf die Ur-Funktionen, in denen er Bücher seiner Lieblingsautoren findet, die so nirgends verzeichnet sind. Erst denkt er, dass es sich um einen Fehler handeln muss, bis er schliesslich dahinter blickt... 

Wesley's Kindle ist quasi ein Portal zu diversen Parallelwelten. Schliesslich findet er eine, in der ihm die Zukunft vorhergesagt wird. Er berät sich mit seinen Freunden und sie kommen zur Übereinkunft, dass sie die Zukunft, so wie sie da geschrieben steht, ändern müssen. Allerdings hiess es in den AGBs, man dürfe unter gar keinen Umständen eingreifen... 

* ACHTUNG * SPOILER *
Nachdem sie in das Geschehen eingegriffen haben, werden sie von der Paradox-Polizei aufgesucht. Deren Erscheinung, an jene der 10-Uhr-Leute aus Abgrund erinnert. 
Der Turm wird beiläufig erwähnt -_^ Und die Paradox-Polizei äussert sich wie folgt, was einen zum Nachdenken bringt: "Es ist dir nicht in den Sinn gekommen, dass eine der jungen Frauen in diesem Bus womöglich zur Serienkillerin werden und Dutzende Menschen umbringen könnte, darunter ein Kind, das sonst später im Leben ein Heilmittel gegen Krebs oder die Alzheimerkrankheit entdeckt hätte. Es ist dir nicht eingefallen, dass eine dieser Frauen eventuell den nächsten Hitler oder Stalin gebären würde, ein menschliches Ungeheuer, das auf dieser Ebene des Turms den Tod von Millionen deiner Mitmenschen verursachen könnte. Dir ist nicht eingefallen, dass du dich in Ereignisse eingemischt hast, die weit über deine Begriffsfähigkeit hinausgehen!"


Herman Wouk lebt noch   5/5

Zwei Erzählstränge, die am Ende aufeinander treffen. Im einen haben wir Jaz und Brenda mit ihren Kindern. Ihre Geschichte erinnert entfernt an Thelma und Louise. Die beiden Freundinnen beschliessen, samt Kindern einen Ausflug zu machen, da Brenda 2700 Dollar gewonnen hat. Sie wollen ihrem tristen Dasein für einen Tag entfliehen. 
Phil Henreid und Pauline Enslin, zwei alte Dichter, veranstalten auf einem Rastplatz ein Picknick und sinnen über ihre Affäre in Paris und die Vergangenheit nach. 
In der Zeitung finden sie einen Artikel über Herman Wouk, der im Alter von 94 Jahren noch immer aktiv schreibt. Im selben Artikel steht ein Zitat von Wouk zu lesen: "Der Körper wird schwach, aber Wörter werden es nie."
Vier Hauptakteure, vier melancholische Lebensgeschichten und unterschiedliche Schicksale, die an jenem einen Tag zusammenführen...

Eine wunderbare, wenngleich melancholische Erzählung, über die Vergänglichkeit des Lebens und die Unterschiede des Daseins. Gewaltig! Mit einem gewaltigen Ende!


Ein bisschen angeschlagen   4/5

Bradley Franklin sitzt in der Werbeagentur und denkt an seine Frau Ellen, die sich zuhause von einer starken Bronchitis erholt. Da die Kammerjäger im Gebäude unterwegs sind, ist Bradley in Sorge, dass seine Ellen wohl nicht die nötige Ruhe bekommt... 
Als da ein Anruf eingeht, wird er von bösen Vorahnungen heimgesucht. Assoziationen zu Dieses Gefühl, das sich nur in Französisch ausdrücken lässt (Im Kabinett des Todes) und Harvey's Traum (Sunset) kommen unweigerlich hoch. 
Schliesslich geht er nach hause und findet genau das vor, was der Leser erwartet hat. 

Spannend, bedrückend, traurig und schauderhaft schön. 

*Achtung*Spoiler*
Einzig der Beschrieb des verwesten Leichnams hat mir hier gefehlt -_^


Blockade Billy   ?/5

Ich geb's zu. Ich hab diese Geschichte nicht durchgehalten. Das ganze Baseball-Blabla war für mich einfach zu uninteressant... Eventuell hole ich das irgendwann nach. 


Mister Sahneschnitte   3/5

Wieder sind wir in einem Altersheim, wo Dave Olga beim Bau des Eiffelturms hilft. Ollie kommt hinzu und die beiden Herren machen sich Gedanken, um das fehlende Puzzleteil. 
Ollie's Opa hate eine Farm in Hemingford Home, was wir aus The Stand kennen. ^_^
Die Herren sinnen über ihre Vergangenheit nach. Mister Sahneschnitte, eine Art Star in der Schwulenszene, wird Thema. 
Geister werden gesehen... 

Wieder eine melancholische Erzählung, die zum Nachdenken anregt. Wie wird es mit uns, die wir heute "jung" sind einmal weitergehen? 
Ein Blick in die Zukunft. Werde ich auch einmal in so einem Rentnerheim landen? Mit der grössten Angst, dass ich nicht mehr rechtzeitig aufs Klo komme? Habe im Badezimmer Windeln gebunkert, aufgrund meiner Inkontinenz? Schauderhaft diese Vorstellung... 


Tommy   2/5

Tommy stirbt 1969 an Leukämie. Seine Freunde sind anwesend, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Tommy war schwul. Tommy mochte Grateful Dead und er war ein Hippie und ein Freak. 
40 Jahre später erinnert sich der Ich-Erzähler an die Beerdigung Tommys und an die Zeit davor. Er fragt sich, wie viele Hippies als Hippies unter die Erde gebracht worden sind und wie viele wohl "erwachsen" geworden sind.

Ich komme nicht dahinter... einfach nicht dahinter... Erinnerungen zu lesen, aber die Botschaft blieb mir verwehrt... 


Der kleine grüne Gott der Qual   3/5

Andrew Newsome hatte einen Unfall. Er hat den Absturz seines 14-Millionen-Dollar-Flugzeugs überlebt und wurde schwer verletzt. Nun wird er von Katherine MacDonald gepflegt, die davon überzeugt ist, dass Newsome's Heilung schneller vorankäme, wenn er sich den Schmerzen stellen würde. Newsome will sich allerdings von den Schmerzen freikaufen und heuert einen Wunderheiler an, der eine Art Exorzist ist. Dieser veranstaltet einen Exorzismus, um Newsome von diesem kleinen grünen Gott der Qual zu befreien... 

King scheint hier seinen eigenen Unfall zu verarbeiten, sind die Schmerzen Newsome's sehr authentisch geschildert. Ich für meinen Teil habe während dem Lesen dieser Geschichte, selbst Höllenqualen gelitten. Mein Blinddarm hatte sich in 3 Teile zerlegt und wurde am Tag darauf operativ entfernt. Jene Erzählung kam also passend zu meiner Situation -_^


Jener Bus ist eine andere Welt   4/5

James Wilson ist spät dran. Obschon er ein geräumiges Zeitpolster hatte, schrumpft dieses immer mehr, durch Ereignisse, die er nicht beeinflussen kann. Schliesslich sitzt er in einem Taxi und hofft, noch rechtzeitig zu seiner eigenen Präsentation zu kommen. 
Neben dem Taxi hält ein Bus. James schaut aus dem Fenster und wird Zeuge eines Verbrechens. Möglicherweise, der einzige Zeuge jenes Verbrechens. 
Was soll er tun? Die Polizei alarmieren und seine Präsentation verpassen?

Eine wunderbare Sichtweise auf unsere, in Eile geratene, Welt. 


Nachrufe   4/5

Der Journalist Mike Anderson ist zwar Journalist, aber eigentlich wollte er sein Talent in einen wichtigeren Job investieren. Stattdessen hat er es einem blöden Zufall zu verdanken, dass er Nachrufe über Promis für das Neon Circus verfasst. 
Erzürnt über die Ablehnung seiner Forderung auf eine Gehaltserhöhung schreibt er einen Nachruf über seine Chefin Jeroma Withfield. Kurz darauf verstirbt diese. Mike hält dies erst für einen Zufall und schreibt, zu Testzwecken, einen weiteren Nachruf. Auch diese Person stirbt. 
Sein Talent bleibt nicht lange unbemerkt, so vertraut er sich Katie, seiner hübschen Arbeitskollegin an. Diese kann natürlich nicht aufs Maul hocken und erzählt einer Freundin, von Mike's Talent. Er soll einen Kinderschänder umbringen... 
Mike's Talent hat allerdings ungeahnte Folgen. Schliesslich lebt in den Staaten nicht nur eine Person, mit dem Namen, der Person, über die Mike einen Nachruf geschrieben hat... "Es gibt Kollateralschäden."

Erinnert uns das nicht entfernt an Dinky Earnshaw, aus Alles endgültig (Im Kabinett des Todes)? Der hatte die Fähigkeit, Leute mit seinen Dinkymails in den Suizid zu treiben. 
Auch Parallelen zu Der Textcomputer der Götter (Der Fornit) sind zu erkennen. Dort erhält Richard einen Textcomputer, der ihm die Macht verleiht, Dinge aus seinem Leben zu löschen... 

Habt Ihr früher (oder heute noch) auch immer gewartet, bis X-Factor: Das Unfassbare auf RTL II kam? Dort gab es eine ähnliche Geschichte, Die Titan, wo ein Schriftsteller eine Eingebung hatte und eine Geschichte über das grösste, je aus Eisen gefertigte Schiff schrieb. Er zeichnete die Titan und schrieb seine Geschichte, über das Schiff, das als unsinkbar galt und dann doch sinken sollte. Ein paar Tage nach dem das Manuskript von seinem Verleger abgelehnt worden war, sank die Titanic, 1:1, wie in der Geschichte, des Schriftstellers. 


Feuerwerksrausch   3/5

Alden McCausland besitzen eine Hütte am See, wo sie ihr einfaches Leben geniessen. Gegenüber ziehen neue Nachbarn ein. Sofort rivalisieren die beiden Familien um das schönste Feuerwerk über dem See. Jedes Jahr treten sie zum unausgesprochenen Wettbewerb an. Die Italiener, die Massimos, gewinnen jedes Jahr, bis Alden schliesslich 2000 Dollar in ein illegales Feuerwerk investiert und die Massimos, und alle anderen Zuschauer in Staunen versetzt. Nachdem der Wind aufgekommen ist, werden die einst staunenden Menschen in Angst und Schrecken versetzt... 

Alden erwähnt einen Krötenregen, was uns an Regenzeit (Abgrund) erinnert. 


Sommerdonner   5/5

Das Beste kommt zum Schluss! 

Robinson, sein Hund Gandalf und der Nachbar Timlin sind die einzig bekannten Überlebenden, nachdem die Friedensgespräche in Genf am 5. Juni jäh durch Atomexplosionen unterbrochen wurden. 
Die Erde ist soweit zerstört. Wer überlebt hat, ist nach Kanada aufgebrochen, weil die Strahlung dort, Gerüchten zufolge, weniger stark, bis gar nicht vorhanden ist. Ein grauer Schleier umhüllt den Himmel. Robinson und Timlin wissen, dass ihre Tage auf Erden gezählt sind, dennoch leben sie weiter und trinken hin und wieder ein Bier zusammen. 
Irgendwann machen sich die Folgen der Strahlung bei Timlin und Gandalf bemerkbar. Timlin will sich einen Giftcocktail verabreichen, gibt die Spritze jedoch Robinson. Robinson entgegnet, dass er noch nicht bereit sei, abzutreten. Timlin erklärt ihm daraufhin: "Nicht für dich, für den Hund. Er soll nicht leiden. Schliesslich waren es nicht die Hunde, die die Bomben gebaut haben."
Dieser Satz sorgte bei mir für pure Gänsehaut. Trotz dem Elend und dem nahenden Tod gibt es noch Nächstenliebe und Gnade. Timlin erklärt, dass er den Grossteil einer Innereien bereits im Klo heruntergespült hat, er aber keine Schmerzen verspüre. Diese kämen erst später, aber dann werde er nicht mehr da sein...

Düster, melancholisch... wahre Endzeitstimmung. Zwei Menschen und ein Hund ganz allein in einem Bundesstaat. Was tun, wenn der andere Mensch stirbt? Wenn man plötzlich alleine ist? Soll man sich nach Kanada aufmachen, solange die Maschine noch genug Benzin intus hat? Soll man sich der Einsamkeit hingeben? Suizid? Auf den langsam herannahenden Tod warten? 

Das wohl Grauenhafteste an dieser Erzählung ist die Tatsache, dass es auf Erden bereits so ausgesehen hat, zwar in kleinerem Ausmass (Hiroshima, Nagasaki) und wir dürfen versichert sein, dass es wieder so aussehen wird. Vielleicht nicht heute und nicht morgen, aber irgendwann bestimmt. Wird meine Generation das miterleben? 
Werde ich erfahren, wie sich die Endzeit anfühlt? 
Wieso habe ich beim Lesen dieser Geschichte und dem Schreiben der Rezi dazu, stets Marilyn Manson im Kopf? Der Song The last day on earth verfolgt mich unentwegt:

I know it's the last day on earth
We'll be together while the planet dies
I know it's the last day on earth
We'll never say goodbye

Ich denke, ich werde nun The Stand mal wieder lesen...



Herzlichen Dank an die Vertretung des Heyne Verlags, für die Zusendung des LEX.