Dienstag, 15. September 2015

Stephen King - Finderlohn

Meine Wertung: ★★★★★ 5/5

Autor: STEPHEN KING

Titel: Finderlohn

OT: Finders Keepers, 2015

Verlag: Heyne (what else -_^)

ISBN: 978-3-453-27009-1

Deutsche Erstausgabe: 2015

Seiten: 540

Einband: Gebunden

Genre: Krimi

Vorgänger: Mr. Mercedes



Endlich ist sie da, die lang erwartete Fortsetzung der Mr. Mercedes-Trilogie!
Beim Eintreffen eines neuen Stephen King Romans im Geschäft, gellt üblicherweise mein schriller Freudenschrei durchs ganze Haus. Durch die zahlreichen Bücher wird er etwas gedämpft, so wie Andy's "Drew's" Schreie, in seinem Antiquariat... Dieses Mal blieb der Schrei aus, da ich mit Grippe zuhause lag... Wo wir auch beim Grund dafür sind, wieso die Rezension erst über eine Woche nach Erscheinen des Buches folgt...

Inhalt

Morris Bellamy verehrt den Schriftsteller Rothstein dergestalt, wie ich King verehre. Bellamy geht es allerdings schlechter, da Rothstein nur drei Bücher über Bellamy's Helden Jimmy Gold geschrieben hat. In Rothstein's Safe befinden sich jedoch, nicht irgendwelche Notizbücher, sondern MOLESKINE (King hat eben schon Klasse), die mit einer Fortsetzung der Jimmy-Gold-Trilogie beschrieben sind. Dazu noch eine Vielzahl an weiteren Notizen und Gedichten.
Morris Bellamy schnappt sich zwei "Kumpels", bricht in Rothstein's Haus ein, richtet den Schriftsteller hin und plündert den Safe. Nach der Tat erledigt er kurzerhand seine Komplizen. Die Art und Weise, wie er das erledigt ist einfach klassisch Stephen King. Bei der Stelle mit dem hüpfenden Duftbäumchen im Auto, konnte ich mir das Lachen nur knapp verkneifen. Eine Dame, die ein Abteil weiter im Zug sass, schaute mich misstrauisch an, mit dem bestimmten Blick, der für Geisteskranke gedacht ist. Sie schien sich wohl zu fragen, was an Stephen King zum Lachen sein soll... Banausen!
Der Mord an Rothstein kann Morris nicht angehängt werden, dafür wandert er lebenslänglich für ein anderes Vergehen in den Bau. Die Notizbücher und das Geld hat er sicher, in einem mit Plastik ausgekleideten Koffer vergraben - in einem Waldstück unweit seines Elternhauses. Der Gedanke, an die Fortsetzung von Jimmy Gold hält ihn im Gefängnis am Leben.
Die Kapitel über Morris' Zeit im Bau erinnern teilweise stark an Die Verurteilten OT: The Shawshank Redemption. Bei der Zeile darüber, wie sich die Welt verändert hat in jenen Jahren, musste ich unweigerlich an Brooks denken, der sagt "Als ich ein kleines Kind war, habe ich mal ein Automobil gesehen, jetzt sind sie überall." kurz darauf knüpfte er sich auf...
Morris' "Karriere" als Schreiber, erinnert an jene von Andy Dufresne... Aber genug der Nostalgie.
Morris bemerkt, dass die Leute heute alle Stöpsel in der Ohren haben und auf kleine Bildschirme starren. Solche Sätze machen einem doch wieder bewusst, in welchem Wandel wir uns doch befinden...

Morris' Mutter hat das alte Haus an die Familien von Pete Saunders vermietet. Pete's Vater wurde im April 2009, als in der Schlange vor dem Jobcenter stand, vom "Mercedes-Killer" angefahren und schwer verletzt. Die Familie hat finanzielle Schwierigkeiten, was sich auf die Gemüter der Eltern auswirkt, verlieren die sich doch permanent in Streitereien. Eines Tages findet Pete den Koffer, den Morris vergraben hatte und beschliesst, seine Familie mit dem Geld zu unterstützen. Die Notizbücher nimmt er an sich und wird so zum "allergrössten Fan" von Rothstein. Bei Recherchen erfährt er vom Mord, und den Gerüchten um Notizbücher und weiss, dass er auf verdammt heisser Ware sitzt.
Als er 17 Jahre alt ist, beschliesst er, die Notizbücher an einen Schwarzhändler zu verkaufen, um an Geld zu kommen. Jener Schwarzhändler ist ausgerechnet Andy "Drew" Halliday, der damals ein Kumpel von Morris war und ihm die Idee mit den Notizbüchern von Rothstein in den Kopf gesetzt hatte. Da Morris' sich Andy anvertraut hatte, ehe er in den Bau wanderte, ist Andy im Bilde und versucht Pete zu erpressen.
Zeitgleich wird Morris endlich aus der Haft entlassen. Verhält sich jedoch ruhig, solange er auf Bewährung ist. Als jene beendet ist, beschliesst er, seinem alten Kumpel Andy einen Besuch abzustatten...
Die Jagd nach Andy, Pete, dessen Familie und die MOLESKINE beginnt...

Parallel zu den Geschehnissen in den 70ern, also Morris' Vergangenheit und jenen aus der Gegenwart, gibt es ein Wiedersehen mit Hodges, dem Ermittler, den wir noch aus Mr. Mercedes kennen. Jerome treffen wir ebenfalls wieder, obschon ihm hier keine allzu grosse Aufmerksamkeit zukommt.

Wertung

Stephen King legt mit Finderlohn den unwiderlegbaren Beweis vor, dass Fortsetzungen nicht zwingend immer schlecht sind! 
Die Parallelen zu seinen alten Werken sind, wie immer, herrlich! So gibt es ein Wiedersehen mit Zimmer 217 - allerdings nicht im Overlook Hotel. 
Der Einstieg mit dem Mord an Rothstein könnte besser nicht sein. Kingsche Action gleich von Anfang an. Geschickt konstruierte Erzählstränge, die sich gen Ende des Buches finden und zu einem brennenden Finale führen! 

Morris Bellamy, ein Mörder und Vergewaltiger, besessen von der fiktiven Person Jimmy Gold, der für seine Leidenschaft zur Literatur gar über Leichen geht, wird dennoch irgendwie liebevoll gezeichnet. Als sein Vergewaltigungsopfer gegen in aussagt, und zum xten Mal beschreibt, sie leide noch immer an den Folgen der Vergewaltigung, sieht man sich auf der Seite von Morris und teilt seinen Gedanken darüber, dass er sie besser umgebracht hätte. 
Morris ist kein böser Mensch. Er liebt die Literatur. Er vergöttert Jimmy Gold. Morris ist einfach besessen. Punkt. Diese Besessenheit wird im Finale sehr ausgeprägt geschildert. 
Man könnte so weit gehen, und sagen, es handelt sich nicht um einen Krimi. Es handelt sich um ein Drama. Um die traurige Lebensgeschichte von Morris Bellamy, dem von einem Autor übel mitgespielt wurde und der alles für seine Leidenschaft getan hat... man könnte... 

Genau wie Mr. Mercedes haben wir auch hier, die für King typischen Metaphern und zahlreiche Textstellen, die ordentlich zu lachen geben! 

Besonders schön fand ich, dass King erst von kleinen schwarzen Notizbüchern schreibt. Solche, die bspw. Hemingway benutzt hat. MOLESKINE! 
Da Pete Englisch studieren will und er sich auch für Literatur interessiert, werden die bedeutendsten Werke zahlreicher namhafter - und die fast vergessener - Schriftsteller genannt. 
Interessant fand ich die Stelle über William Somerset Maugham. Dieser sei fast vergessen und in den meisten Buchhandlung nicht vertreten. Dann können wir uns ja direkt etwas darauf einbilden - denn bei uns ist er sehr wohl vorhanden - und auch gefragt. ^_^

Zu meiner Freude, hat Finderlohn, anders als die gebundene Ausgabe von Mr. Mercedes, ein besseres Cover. Obschon, der blutende Füller so gar nichts mit dem Inhalt zu tun hat... Für Cujo hat man ja auch das Bild eines Bernhardiners gewählt und nicht das von einer Katze... Soll's einer verstehen... Lesen die Layouter das Buch? Wissen sie um den Inhalt? Ich denke kaum. Anders ist die Verfehlung bei Mr. Mercedes nicht zu erklären.
Der Titel ist zwar treffend und recht zynisch, wenn man an Morris denkt, aber hier hätte es der englische auch getan. Finders Keepers.
Allerdings ist die Übersetzung an manchen Stellen etwas fragwürdig, oder hätte anders ausgedrückt werden können. Bei solchen Stellen, vermisse ich, genauso wie zahlreiche andere King-Anhänger, den einzig wahren Joachim Körber. 
Bei manchen Übersetzern hat man den Eindruck, sie haben keine Ahnung von dem Autoren und dessen Büchern. Sie machen eben ihren Job. DENNOCH! Werde ich King weiterhin in beiden Sprachen lesen und bin ich froh, um meine Englisch-Kenntnisse. 
Und so schliesse ich mit einem Zitat von Jimmy Gold: 

"That shit don't mean shit"

Herzlichen Dank, wie immer, an die Verlagsvertretung des HEYNE Verlags für die Zustellung des LEX!