Sonntag, 2. August 2015

Stephen King - Im Kabinett des Todes

Meine Wertung: ★★★★☆ 4/5

Autor: STEPHEN KING

Titel: Im Kabinett des Todes

OT: Everything's Eventual

Verlag: Ullstein

ISBN: 978-3-550-08413-X

Deutsche Erstausgabe: 2003

Seiten: 581

Format: Gebunden

Genre: Horror

Ähnliche Titel: Abgrund



Spannung:      Sprache:      Überraschung:     Ekelfaktor:       Gewalt:          Humor:
★★★☆       ★★☆        ★★★☆         ☆☆       ★☆☆       

14 Kurzgeschichten, manche davon wurden längst verfilmt, etwa für die Mini-Serie Nightmares & Dreamscapes.
Kurz nach Erscheinen hatte ich es gekauft, erstmals gelesen dann aber im Jahr 2009. Nun schreiben wir das Jahr 2015...
Erstaunlicherweise habe ich nahezu alle Geschichten gleich bewertet, wie damals. Der Geschmack ändert sich wohl selten -_^

Einleitung: Wenn man sich einer fast ausgestorbenen Kunstform widmet 

Erstmals in meinem Leben als Buchblogger rezensiere ich eine Einleitung. Wieso? Weil es sich um eine typisch zynische King-Einleitung handelt, welche u.a. das Thema e-Books behandelt. Ich erinnere mich gut an jene Tage, in denen das e-Book von so manchen Seiten als "vorübergehender Furz" bezeichnet wurde. Als etwas, das bald tot und begraben sein wird und schliesslich gänzlich vergessen. Bereits damals dachte ich, dass dies mutige Worte waren, besonders wenn man bedenkt, dass wir in einer digitalisierten Welt leben... Tja, heute ist das e-Book bereits so weit, dass Bücher teilweise gar nicht (mehr) als Printmedium erscheinen... 
Auch der gute Herr King hat mittlerweile 3 Geschichten veröffentlicht, für welche ich mir einen e-Reader zu legen musste - kleiner Scherz. Ich sah mich ohnehin gezwungen einen zu kaufen. 


Autopsieraum vier (Nightmare & Dreamscapes)

"Grosser Gott! Ich bin in einem Leichensack!"
Howard Cottrell wird auf dem Golfplatz von einer Schlange (eine fiktive "Afrikanische Boomslang) gebissen und für tot erklärt. Als er wieder zu sich kommt, befindet er sich in einem Leichensack und wird zum Autopsieraum vier geschoben. Da er von dem Schlangengift gelähmt ist, kann er sich nicht bemerkbar machen, ist jedoch bei vollem Bewusstsein. 
Cottrell schildert die Ereignisse, welche ihm widerfahren, das Verhalten der Pathologen und seine glücklosen Versuche, irgendwie auf sich aufmerksam zu machen. 
Auf die Angst und den ersten Schock folgt dann ein erheiternder Zynismus. Als er jedoch hört, dass man eine Autopsie durchführen will, steigt die blanke Panik in ihm auf... 

Eine beklemmende Geschichte über eine Scheintod-Erfahrung.  

3/5


Der Mann im schwarzen Anzug

Gary, ein alter Mann, schreibt mit zittriger Hand sein Tagebuch. Er will nur eine Geschichte erzählen, die ihm widerfahren ist, als der Kalender das Jahr 1914 schrieb und er neun Jahre alt war. 
Er ging allein zum Angeln an die Flussgabelung in Motton. Hier wird ihm die Vergänglichkeit von Allem bewusst. Der Fluss existiert heute nur noch als unterirdischer Kanal. Alles wurde zubetoniert und überbaut. Damals jedenfalls war Motton ein idyllisches kleines Nest und er verbrachte viel Zeit draussen (wie man das früher, in der Zeit vor Facebook und Nintendo eben noch gemacht hat). An jenem Tag, als er Fluss sass, sollte er dem Teufel begegnen. Dem Leibhaftigen in Gestalt eines Mannes im schwarzen Anzug. Gary roch den Gestank von Schwefel und realisierte, dass, an der Stelle, wo bei Menschen für gewöhnlich die Augen waren, bei dem Mann lediglich Flammen loderten. Gary meinte, dem Teufel entkommen zu können, wenn er sich nicht anmerken liesse, dass er um dessen Existenz wusste, doch den Leibhaftigen trickst man so leicht nicht aus... 

Eine Rückblende ins Jahr 1914, wo die Zeiten noch besser und die Natur noch prächtiger waren. Eine Begegnung mit dem Teufel..., welche King für sehr schlecht hielt, dann aber mit dem O. Henry Award ausgezeichnet wurde und meinte, dass dies der Beweis dafür ist, dass Autoren ihre Werke meist am schlechtesten einschätzen können... 

4/5


Alles, was du liebst, wird dir genommen

Alfie Zimmer. Vertreter. Auf der Durchreise. 
Wir lernen Alfie in einem Motel kennen. Es ist immer gut, in einer Kette zu buchen, da weiss man schon was einen erwartet. Es ist noch besser ein Zimmer am Ende zu buchen, so hat man nur auf einer Seite ätzende laute Nachbarn... 
Alfie Zimmer führt ein Notizbuch mit sich. In meiner Vorstellung handelt es sich dabei um ein Moleskine pocket diary - blanko. Vor Jahren hat er damit begonnen, Graffiti und Klosprüche nieder zu schreiben. Er liest uns einige vor und erzählt, wo er welchen Spruch gefunden hat. Schliesslich sinniert er über sein Leben und darüber, diesem ein Ende zu setzen oder nicht... 

Sprechen wir ein Gebet für all die Alfie Zimmers dieser Welt. So King in seinem Nachwort. Und wahrlich, das sollten wir tun! 
Eine traurige kleine Geschichte über das Leben und die Leiden eines einfachen Mannes... 

5/5



Der Tod des Jack Hamilton

Bereits im Kindesalter mochte King Geschichten über Banditen und Gauner aus der Zeit der Weltwirtschaftskrise. So schrieb er eine Hommage an die Dillinger-Bande, welche im Wisconsin der 1934er Jahre spielt. Spannend geschrieben und mal was Anderes. Einfach gut! 

4/5



Im Kabinett des Todes 

Fletcher, ein Reporter der New York Times, findet sich in einem Verhörraum irgendwo in Mittelamerika wieder. Fliesen, kahle Wände, eingedrahtete Glühbirnen und eine seltsame Maschine, welche zur Folter mittels Stromschlägen dient, mit denen Fletcher später Bekanntschaft machen wird... Es handelt sich um eine klassische Verhörsituation um Leben und Tod. Die Geschichte erinnert daher an den Film "Five Fingers" mit Ryan Philippe. 

5/5



Die kleinen Schwestern von Eluria 

Ein Pendant um den Revolvermann der Dark Tower Saga. That's it.

4/5



Alles endgültig 

Dem Pizzakurier Dinky wird das Jobangebot seines Lebens unterbreitet, welches er erst für einen schlechten Scherz hält. Schliesslich soll er quasi fürs Nichtstun bezahlt werden und muss einfach nur zusehen, dass er das ganze Geld bis zum Wochenende ausgegeben hat. Dinky besitzt Fähigkeiten, welche nicht jedermann vergönnt sind. Diese soll er für einen guten Zweck einsetzen. Irgendwann beginnt er sich zu fragen, wie gut dieser Zweck denn wirklich ist... 
Atmosphärisch erinnerte es mich teilweise an Grisham's Die Firma, wieso auch immer. 

3/5



L.T.s Theorie der Kuscheltiere 

Eine wunderbare kurze Erzählung um eine Ehe, die in die Brüche ging und um die Eigenheiten von Haustieren. King selbst sagt, es sei seine Lieblingsgeschichte und wenn man ihm 50 Minuten Zeit lasse, erzähle er sie auch gerne. 
Kein Wunder, sie nimmt einen ganz normalen Anfang und endet mit Entsetzen.
NS: Wer einmal einen Jack Russell Terrier gehabt/gehütet/gesehen hat, der weiss um L.T.s Leiden mit jenem Hund... -_^

5/5



Der Strassenvirus zieht nach Norden  (Nightmare & Dreamscapes)

Ganz gelungen verfilmt! Ein Autor, krank, dem Tode geweiht, hält an einer Hausräumung und kauft sich ein finsteres Gemälde, auf dem ein Typ mit Tattoos und spitzgefeihlten Zähnen abgebildet ist. Das Bild verändert sich, jedes mal wenn er es ansieht. Plötzlich realisiert er, dass der Hintergrund des Bildes, genau die Strecke anzeigt, die er zurückgelegt hat. Bald schon ist auch die erste Tote zu beklagen...

5/5



Lunch im Gotham Café 

Ein Treffen zwischen baldigen ex Eheleuten und deren Anwälten, von denen der eine Anwalt leider nicht zugegen sein kann, nimmt durch einen geistig nicht ganz klaren Oberkellner blutige Ausmasse an...Na ja, wäre der Kellner nur halb so verrückt gewesen, wäre die Geschichte wohl besser gewesen. Jedenfalls bekommt man einen riesigen Hass auf die Exfrau und hofft permanent, dass sie abgeschlachtet oder von einem Auto überfahren und über 20 Meilen über die Strasse verteilt wird -_^

2/5



Dieses Gefühl, das man nur auf Französisch ausdrücken kann 

Irgendwie genial, irgendwie absehbar, irgendwie langweilig... Eine hellsichtige Frau, die den Tod ihres Mannes und ihren eigenen vor Augen hat, so klar, dass sie kaum glauben kann, dass sie nur geträumt hat. Sie hat dieses seltsame Gefühl, das man nur auf Französisch ausdrücken kann, kommt aber nicht dahinter, wann und wo sie sterben sollen, bis...

3/5



1408 

Eine Geschichte um einen böses Zimmer in einem ganz normalen Hotel in New York. Es gehört übrigens der Stanley Corp. -_^ Ein Autor möchte darin verweilen, um einen gelungenen Abschluss für seine Buchreihe über Spukhäuser zu schreiben...
Hier erfahren wir, was die Zahl 13 doch alles bewirken kann -_^

5/5



Achterbahn 

Riding the Bullet!
Ehrlich, ich habs versucht. Ich habe die Verfilmung mehrmals schauen wollen. Beim ersten Mal, habe ich es bis zum Schluss geschafft. Aber alle weiteren Male, habe ich nebenbei geschrieben, aufgeräumt oder sonst was gemacht... Sie ist schlecht und langweilig. 
Die Kurzgeschichte hingegen! Genial! 

4/5



Der Glüggsbringer

Eine Geschichte, über die kleinen Wunder des Lebens, wie sie ganz normalen Menschen, in diesem Fall einem Zimmermädchen widerfahren... 
Was war eigentlich an meinem damaligen Job als Zimmermädchen so schlecht?

3/5