Freitag, 29. August 2014

Sarah Lotz - Die Drei

Meine Wertung:
★★☆☆☆ 2/5

Autor: Lotz, Sarah

Titel: Die Drei, 2014

OT: The Three, 2014

Verlag: Goldmann

ISBN: 978-3-442-31371-6

Deutsche Erstausgabe 08/2014

Seiten: 510

Klappenbroschur

Genre: Thriller, Sci-Fi

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Vier Flugzeugkatastrophen in vier verschiedenen Ländern, drei Kinder überleben...
Wie Grossmeister Hitchcock in Psycho, lässt Lotz ihre Hauptfigur sterben - allerdings schon im ersten Kapitel. Pamela May Donald ist auf dem Weg nach Tokyo, um ihre Tochter zu besuchen. Da die Autorin wohl nicht in der Lage war, das Geschehen in Innern eines Flugzeugs während eines Absturzes zu beschreiben, beschreibt sie alternativ dazu einen Traum, den Pam zwischen den Turbulenzen und dem Aufprall hat - > *gähn*
Pam liegt auf dem Boden und tippt mit letzter Kraft noch eine SMS - als ob dies das Wichtigste überhaupt wäre:
"SIE SIND HIER. DER JUNGE, SIEH DIR DEN JUNGEN AN, SIEH DIR DIE TOTEN AN, O GOTT, ES SIND SO VIELE ... SIE KOMMEN JETZT, MICH ZU HOLEN. WIR ALLE MÜSSEN JETZT GEHEN. WIR ALLE. PASTOR LEN, SIE MÜSSEN SIE WARNEN, DIESER JUNGE, DIESER JUNGE ... MA DARF IHM NICHT ..."
- LETZTE WORTE VON PAMELA MAY DONALD (1961-2012)

Lotz greift auf Flugzeugkatastrophen zurück, die sich tatsächlich ereignet hatten. Wir finden bspw. Parallelen zum Absturz von ValuJet 592, die 1996 in den Everglades abgestürzt ist. 110 Tote. Keine Überlebenden. Die Toten wurden teilweise von Alligatoren gefressen... Auch der Crash von Swissar 111 nahe Halifax bleibt nicht unerwähnt...
Die ethische Frage die sich hier stellt ist die, in wie weit es in Ordnung ist, sich mit dem Tod von ein paar 100 Seelen zu bereichern...?

Das Buch ist voll von Interviews, Zeitungsartikeln, weiteren Interviews, Erfahrungsberichten von Menschen, die jeweils eines der Drei adoptiert hatten und Chatnachrichten zwischen Chiyoko, einer japanischen Prinzessin und dem Hikikomori Ryu. Ehrlich gesagt, ist der Chat das einzig Spannende.
Das ganze Buch ist recht ermüdend und will einfach nicht in die Gänge kommen. Schliesslich habe ich nur noch den Chat gelesen und hinterher die Geschichte um Ryu und Chiyoko, auf deren Fersen eine Journalistin ist, die das Geheimnis um die Drei lüften will.
Der Schluss ist weder gut, noch überraschend. Gerade so viel hat man erwartet.

Es scheint, als hätte sich Lotz nicht entscheiden können, über was genau sie nun schreiben möchte oder wo genau ihre Geschichte spielen soll. So springt sie von den USA nach Afrika und von dort wieder nach Japan. Sie schreibt von fundamentalistischen Christen, die meinen, die Drei wären 3/4 Reitern der Apokalypse und müssen getötet werden. Es geht um weitere Sekten, um die US Army mit Stützpunkt in Japan, von denen einer auch zum Geschehen beitragen wird. Wir haben auch noch einen japanischen Erfinder, der Cynobots baut, welche ebenfalls eine zentrale Rolle spielen sollen.
Sie schreibt über den berüchtigten "Selbstmordwald" Aokigahara am Fusse des Fuji, um ihre plumpe Geschichte wieder mit dem Tod und der Verzweiflung vieler Menschen aufzumotzen.
Es gibt zu viele Figuren, von denen die einen interessanter sind und andere einfach unnötig. Dieses herumspringen zwischen den Orten, Zeitungsberichten, Interviews etc ist mehr verwirrend, als spannend oder interessant.

Kurz gesagt, wirkt das Buch mühsam zusammengeschustert.

Die 2/5 Sternen gibt es für die interessante Geschichte um Chiyoko und Ryu und die gute Recherche in Sachen Aviatik und Flugzeugkatastrophen.